Auf zu neuen Abenteuern! - Roadtrip durch Western Australia (Teil 1)
Abschied von Hoi An – Aufbruch nach Down Under
Der Abschied von Hoi An fällt uns schwerer, als wir es uns eingestehen wollen. Diese Stadt, die ursprünglich nur eine kurze Zwischenstation auf unserer Weltreise sein sollte, ist für Wochen zu unserem Zuhause geworden. Zu einem Ort, an dem Alltag, Freundschaft und Gemeinschaft ineinandergeflossen sind. Bevor wir weiterziehen, laden wir unsere engsten Freunde zu einem gemeinsamen Abendessen in Trungs kleines Restaurant ein, das uns so ans Herz gewachsen ist.

Als wir die Runde betrachten, wird uns bewusst, was hier entstanden ist: Unser „enger Kreis“ umfasst mittlerweile fast zwanzig Menschen aus aller Welt. Unterschiedliche Nationalitäten, Lebensgeschichten, Altersgruppen – verbunden durch diesen einen Ort und eine gemeinsame Zeit. Gespräche, Lachen, Erinnerungen. Nach dem Essen ziehen wir weiter in die Bungalow Bar, in der wir so manchen wilden Abend verbracht haben. Wir spielen Pool, stoßen an, sitzen beisammen, als würden wir uns schon ewig kennen. Und doch wissen wir: Jetzt heißt es Abschied nehmen. Auf ungewisse Zeit.
Es wird emotional. Intensiver, als wir es erwartet hätten. Die vergangenen Wochen waren geprägt von Tiefe, Offenheit und einem Miteinander, das im normalen Alltag oft keinen Platz findet. Und weil dieser Ort uns in den letzen Wochen so viel gegeben hat, haben wir eine Entscheidung getroffen: Wir werden zurückkommen nach Hoi An. Und quasi als Versicherung lassen wir einen Koffer bei Chris und Steff – gefüllt mit Kleidung, aber vor allem mit Erinnerungsstücken unserer Reise. Irgendwann holen wir ihn wieder ab.
Ein Traum wird wahr: Australien
Nach dieser fantastischen Reisepause zieht es uns weiter. Ein persönlicher Höhepunkt unserer Reise steht bevor: Australien.
Wir packen unsere Sachen, nehmen ein Grab-Taxi zum Flughafen Da Nang, gönnen uns noch einmal die Lounge – ein ruhiger Übergang zwischen Abschied und Aufbruch. Der Flug führt uns zunächst nach Singapur. Den Flughafen kennen wir gut genug, um das Risiko einzugehen: nur 90 Minuten Umsteigezeit. Alles klappt reibungslos. Der Nachtflug ist ruhig, wir finden sogar etwas Schlaf.
Als wir am sehr frühen Morgen in Perth landen, ist es ein besonderer Moment. Achtzehn Jahre ist es her, dass Irene und Sebastian zuletzt australischen Boden betreten haben. Damals, 2007, waren wir drei Monate mit dem Camper unterwegs – von Melbourne nach Darwin quer durch den Kontinent, später an der Ostküste entlang zurück nach Melbourne. Eine Reise, die uns geprägt hat. Eine Zeit, von der wir unseren Kindern immer wieder erzählt haben. Und nun stehen wir hier – gemeinsam mit ihnen. Ein Traum wird wahr.
Roadtrip durch WA
Direkt nach der Landung holen wir unser Wohnmobil ab. Kein langes Zögern, kein Ankommen im Hotel – wir fahren los. Richtung Norden. Es tut so unendlich gut, wieder im Wohnmobil unterwegs zu sein. Der Verkauf unseres "Freddi" vor unserer großen Reise war ein schwerer Schritt für uns. Daher genießen wir einmal mehr die Freiheit, die das Reisen mit dem Wohnmobil mit sich bringt.

Unser erster Stopp ist der Yanchep Nationalpark. Kaum angekommen, liegt dieser unverwechselbare Duft von Eukalyptus in der Luft. Abends hüpfen Kängurus über den Campground, wir sehen Koalas in den Bäumen und hören das Kreischen der Kakadus. Für uns alle ist es der perfekte Start. Australien heißt uns willkommen.

Sand, Wüste und steinerne Wunder
Am nächsten Tag folgen wir der Küste weiter nach Norden. Bei Lancelin breitet sich eine gewaltige Sandwüste aus – hohe, weiße Dünen, die scheinbar direkt aus dem Nichts auftauchen. Die Kinder rollen lachend die Hänge hinunter, Sand überall, Sonne im Gesicht. Es fühlt sich leicht an, frei. Wir bleiben bis zum Sonnenuntergang atmen die klare Luft und genießen den Augenblick.


Danach geht es zu einem winzigen Campground direkt am Strand. Wir sind die einzigen Menschen dort. Das Rauschen des Meeres begleitet uns in den Schlaf.
Am nächsten Morgen geht es weiter nach Norden. Wenig später erreichen wir die Pinnacles im Nambung Nationalpark. Tausende bizarr geformte Kalksteinsäulen ragen aus dem gelben Sandboden. Ihre Entstehung ist bis heute nicht vollständig geklärt, vermutlich formten Wind, Wasser und Zeit diese Landschaft über Millionen Jahre. Der Kontrast aus Himmel, Sand und Stein wirkt fast surreal. Wir wandern durch diese bizarre Wüstenlandschaft und sind fasziniert davon, was die Natur alles erschaffen kann.


Kalbarri – Ein Canyon aus Zeit und Stein
Unser erstes größeres Etappenziel auf unserem Weg nach Norden ist der Kalbarri Nationalpark. Auf dem Weg nach dorthin legen wir einen Stopp an der Hutt Lagoon ein – einem berühmten pinkfarbenen Salzsee. Seine intensive Farbe entsteht durch Mikroalgen, die bei hohem Salzgehalt ein rötliches Pigment produzieren. Je nach Sonnenstand und Salzkonzentration schimmert der See in Rosa-, Lila- und Rottönen. Wir stehen staunend davor, verlieren uns in der Weite und im Farbenspiel.


Dann erreichen wir die zerklüftete Küstenlandschaft des Kalbarri Nationalpark – eines der landschaftlichen Highlights unserer bisherigen Reise. An der Küste haben Wind und Wellen eine unwirtliche Felslandschaft erschaffen. Im Hinterland hat der Murchison River über Millionen Jahre hinweg einen tiefen Canyon in das rote Gestein geschnitten. Wind und Wasser haben Schluchten, Klippen und Aussichtspunkte geformt, die uns sprachlos machen.

Wir besuchen Nature’s Window, eine natürliche Felsformation, die wie ein Bilderrahmen den Blick in den Canyon freigibt. Ganz in der Nähe ragt der Skywalk freitragend über die Schlucht hinaus. Unter uns hunderte Meter Tiefe, vor uns diese gewaltige Landschaft. Es gibt zahlreiche Lookouts, zu denen kleine Wanderungen führen. Alles sehr reizvoll.


Die Nacht verbringen wir auf einer Ranch. Dutzende Kängurus grasen in der Dämmerung, über uns spannt sich ein Sternenhimmel, wie man ihn nur im australischen Outback erlebt – klar, weit, überwältigend.
Am nächsten Morgen klingelt der Wecker früh. Wir wollen unbedingt den Loop Walk machen, einen Wanderweg, der beginnend am Nature's Window entlang einer Flussschleife zuerst oben auf den Klippen und dann unten am Flussbett entlang führt. Doch der Weg wird bereits um 7 Uhr morgens geschlossen, weil die Hitze später gefährlich wird. Knapp zehn Kilometer liegen vor uns. Wir haben Wasservorräte und etwas zu essen dabei. Auf dem Track sind wir sind ganz allein. Stille, rote Felsen, das Licht des Morgens. Jeder Schritt fühlt sich sehr intensiv an. Wir lauschen den Geräuschen der Wildnis und bleiben immer wieder stehen, um die grandiose Landschaft zu bestaunen.

Nach der Wanderung fahren wir in den kleinen Ort Kalbarri. Wir haben uns eine Abkühlung verdient und kühlen uns in der geschützten Lagune ab.
Am folgenden Tag erkunden wir die Küstenlookouts südlich von Kalbarri. Schroffe Felsen stürzen senkrecht ins aquamarinblaue Meer. Der Wind pfeift unaufhörlich. Die Landschaft wirkt fast außerirdisch – roh, ungezähmt, beeindruckend.

Durch das Outback zur Shark Bay
Unsere nächste Etappe auf dem Weg nach Norden ist lang. Sehr lang. Mehrere hundert Kilometer liegen vor uns, hinein ins Outback. Der North West Coastal Highway zieht sich schnurgerade durch eintöniges Buschland. Über 40 Grad Hitze. Wir planen Wasser und Treibstoff sorgfältig. Die Monotonie macht müde.
Die Pause am Billabong Roadhouse ist Pflicht. Ein typisches Roadhouse mitten im Nirgendwo, hunderte Kilometer von der nächsten Ortschaft entfernt. Ein Ort zum Durchatmen, Auftanken – und Weiterfahren.

Am Hamelin Pool verlassen wir den Highway und fahren Richtung Westen, weitere 100 km. Doch schließlich öffnet sich die Landschaft, Buchten tauchen auf, türkisfarbenes Meer. Endlich erreichen wir den Shell Beach. Hier machen wir erstmal eine lange Pause. Der Shell Beach ist ein Strand, der vollständig aus Milliarden winziger Herzmuscheln besteht. Über Jahrtausende haben Strömungen sie hier abgelagert. Der Strand ist mehrere Kilometer lang, das Wasser knietief, warm – aber zum Schwimmen zu flach. Also waten wir hunderte Meter weit durch das Wasser und lassen die Weite, das Farbenspiel aus strahlendem Weiß und grellem Türkis und die Einsamkeit auf uns wirken.


Unser Spot für die Nacht liegt auf einem einsamen Plateau direkt am Meer. Um uns herum nichts als Stille, Weite und dieser unfassbare Sternenhimmel, der das Outback so magisch macht.

Shark Bay - Ein Ort der seinen Namen zurecht trägt
Am nächsten Morgen fahren wir weiter entlang der Lookouts. Von oben sehen wir sie: Hunderte Haie, die nahe der Küste patrouillieren. Wir sehen zahlreiche Rochen und viele verschiedene Arten von Haien. Der Name Shark Bay ist mehr als gerechtfertigt. Schwimmen gehen wir hier lieber nicht.

Zum Abkühlen fahren wir stattdessen in die Little Lagoon bei dem kleinen Ort Denham. Ruhiges Wasser, keine Haie – abgesehen von hochgiftigen Steinfischen. Man bleibt aufmerksam. In Denham legen wir dann noch einen Versorgungsstopp ein: Tanken, Lebensmittel- und Wasservorräte auffüllen, bevor es wieder in die Einsamkeit geht.

Am Abend wieder einer dieser Sonnenuntergänge, die nur Western Australia hervorbringt. Der Himmel brennt in Orange, Rot und Violett. Wir sitzen still, sehen zu, sind einfach nur da.


Nach vier Tagen in der Shark Bay heißt es umkehren. Wieder Richtung Süden. Denn dort warten noch weitere Orte auf uns, die wir unbedingt sehen möchten.

Australien hat uns zurück. Und wir spüren: Das hier ist erst der Anfang.