Unsere Weltreise

Unser Weg zum Worldschooling – Teil 2

Wie Lernen unterwegs für uns heute aussieht

Teil 1 findest du hier...

Nachdem wir begonnen hatten, unseren Blick auf Lernen grundsätzlich zu verändern, blieb eine zentrale Frage offen:
Wie kann Lernen im Alltag auf Reisen konkret aussehen, ohne dass sich der alte Druck in neuer Form wieder einschleicht?

Loszulassen war ein wichtiger erster Schritt. Doch schnell wurde klar, dass weniger Kontrolle nicht automatisch mehr Orientierung bedeutet. Vielmehr brauchte es eine andere Art von Aufmerksamkeit – für unsere Kinder, für unseren Alltag und für das, was sich tatsächlich zeigt.

 

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Lernen beginnt nicht mit einem Plan

Zu Beginn hatten wir die Sorge, dass Lernen ohne feste Zeiten und klar definierte Einheiten im Alltag untergehen könnte. Schließlich war unser bisheriges Verständnis stark davon geprägt, dass Lernen geplant, sichtbar und überprüfbar sein muss, um „zu funktionieren“.

Was wir stattdessen erlebt haben, war eine Verschiebung des Fokus.
Lernen begann nicht mehr mit einem Plan, sondern mit Beobachtung.

Wir begannen genauer hinzuschauen:
Welche Themen beschäftigen unsere Kinder gerade wirklich?
Wo entstehen Fragen ganz von selbst?
Und an welchen Stellen lohnt es sich, innezuhalten und etwas zu vertiefen?

Lernen hatte keinen festen Platz im Tagesablauf, aber es war präsent.
Manche Tage waren intensiver, andere verliefen scheinbar lernfrei. Rückblickend zeigte sich jedoch, dass auch diese Tage ihren Wert hatten, weil Eindrücke nachwirkten und sich Gedanken setzten.

 

Impulse statt Programme

Ein wesentlicher Unterschied zu unserer früheren Herangehensweise liegt heute darin, dass wir nicht mehr versuchen, Lernprogramme oder Curricula umzusetzen. Stattdessen arbeiten wir mit Impulsen, die aus dem Alltag entstehen.

Ein Ort, an dem wir länger bleiben und der Fragen aufwirft.
Ein Gespräch unterwegs, das hängen bleibt.
Eine Beobachtung, die Neugier weckt und vertieft werden möchte.

Manchmal greifen wir diese Impulse gezielt auf, suchen gemeinsam Informationen, lesen nach oder setzen uns bewusst damit auseinander. In anderen Fällen bleiben sie genau das, was sie sind: Anstöße, die im Hintergrund weiterwirken, ohne sofort aufgegriffen zu werden.

Diese Offenheit war für uns zunächst ungewohnt, weil sie sich nicht messen oder abhaken lässt. Gleichzeitig hat sie dem Lernen eine Leichtigkeit zurückgegeben, die wir lange vermisst hatten.

 

Grundlagen im Alltag verankern

Worldschooling bedeutet für uns nicht, grundlegende Fähigkeiten aus dem Blick zu verlieren. Sprachen und Mathe sind weiterhin wichtig, und wir nehmen diese Bereiche bewusst wahr.

Der Unterschied liegt darin, wie wir ihnen begegnen.
Statt Lerninhalte losgelöst vom Alltag zu behandeln, entstehen sie aus konkreten Situationen heraus.

Mathe taucht beim Planen von Wegen, beim Einkaufen oder beim Abschätzen von Entfernungen auf. Sprachen sind allgegenwärtig – im Lesen, Erzählen, Schreiben und im Austausch miteinander und mit den Einheimischen und Freunden. Erdkunde machen wir bei der Beschäftigung mit Orten, an denen wir sind. Biologie, wenn wir ein Tier oder eine Pflanze entdecken, die uns fasziniert.

Wissen wird nicht isoliert vermittelt, sondern angewendet und vertieft, wenn es gebraucht wird.

Natürlich gibt es Phasen, in denen Wiederholung notwendig ist oder gezielte Begleitung gefragt ist. Doch ohne den permanenten Vergleich mit einem Lehrplan fühlt sich dieses Lernen weniger eng an und lässt mehr Raum für individuelle Entwicklungen.

 

Eine andere Art von Struktur

Lange Zeit war unser Bild von Struktur sehr klar: feste Zeiten, klare Abläufe, sichtbare Ergebnisse. Unterwegs hat sich dieses Verständnis verändert. - Auch, weil es einfach nicht funktioniert hat. Unser Reisealltag ist ständig Änderungen unterworfen: Neue Zeitzone, neues Land, neuer Ort, neue Unterkunft... Allein das macht eine feste Lernstruktur beinahe unmöglich.

Heute erleben wir Struktur weniger als starres Gerüst, sondern als etwas, das sich aus dem Alltag heraus entwickelt. Gemeinsame Routinen, wiederkehrende Gespräche, feste Zeiten für Austausch und ein verlässliches Miteinander geben Orientierung, ohne das Lernen einzuengen.

Es gibt Phasen mit mehr Fokus und Phasen, in denen Lernen im Hintergrund läuft. Beides hat seinen berechtigten Platz, und beides gehört für uns zu einem nachhaltigen Lernprozess dazu.

 

Wenn das schlechte Gewissen leiser wird

Ein Aspekt, der sich mit der Zeit spürbar verändert hat, ist das schlechte Gewissen. Nicht, weil wir das Gefühl hätten, nun alles „richtig“ zu machen, sondern weil wir besser verstehen, warum wir Entscheidungen treffen und welche Auswirkungen sie haben.

Wir vergleichen weniger mit äußeren Maßstäben und rechtfertigen uns seltener – auch vor uns selbst. Vor allem haben wir akzeptiert, dass Lernen nicht immer sofort sichtbar sein muss, um wirksam zu sein.

Diese Akzeptanz hat viel Druck aus dem Alltag genommen und Raum für Vertrauen geschaffen.

 

Was wir heute anders bewerten

Heute messen wir Lernen nicht mehr an erledigten Aufgaben oder abgearbeiteten Inhalten. Wichtiger sind für uns Zusammenhänge, Interesse und Tiefe – und das, was langfristig hängen bleibt und was unsere Kinder wirklich von dieser Reise mitnehmen!

Dieser Zugang fühlt sich nicht immer sicher an, weil er weniger klare Orientierungspunkte bietet. Gleichzeitig ist er ehrlicher und näher an dem, was Lernen für uns heute bedeutet.

 

Ein Gedanke zum Schluss

Worldschooling ist für uns kein festes Konzept, das wir umsetzen, sondern ein Weg, den wir bewusst gehen. Er erfordert Aufmerksamkeit, Offenheit und die Bereitschaft, immer wieder nachzujustieren – ohne den Anspruch, jeden Schritt vorher zu kennen.

Nicht jeder Tag fühlt sich gleich an, und nicht jede Phase ist leicht.
Aber insgesamt fühlt sich dieser Weg stimmig an.

 

5 Denkfehler über das Lernen auf Reisen. 

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Warum wir uns für ein Reisejahr entschieden haben – und was es mit unserem Mindset gemacht hat

Irgendwann gegen Ende des Jahres 2023 haben wir eine Entscheidung getroffen, die unser Leben komplett auf den Kopf stellen würde: Wir nehmen uns eine Auszeit, ein ganzes Jahr, um die Welt zu bereisen. Ein Sabbatjahr – etwas, das für uns lange wie ein schöner Traum klang, aber nie wirklich greifbar war. Doch je mehr wir uns damit befasst haben, desto klarer wurde: Das ist nicht nur ein Traum. Es ist machbar. Es braucht nur das richtige Mindset.

 

Der erste Funke: Warum eigentlich nicht?

Die Idee kam nicht über Nacht. Es war ein schleichender Prozess, ein Gedanke, der immer wieder aufkam, wenn wir von unseren langen Reisen mit unserem Wohnmobil zurückkehrten, in Reiseerinnerungen schwelgten oder uns von Dokumentationen inspirieren ließen. Eigentlich ist unsere Entscheidung im Nachhinein betrachtet nur die logische Konsequenz unserer bisherigen Reiseaktivitäten. Aber da war auch immer diese Stimme im Kopf: Geht das überhaupt? Können wir das wirklich machen?

Anfangs überwogen die Zweifel: der Job, das Haus, die Finanzen, die Schule der Kinder, all die Verpflichtungen des Alltags. Doch dann drehten wir die Frage um: Warum eigentlich nicht? Was hält uns wirklich davon ab?

Mindset: Von „irgendwann“ zu „wir Reisen Jetzt!“

Wir begannen, uns bewusster mit dem Thema zu beschäftigen. Je mehr wir darüber sprachen, desto realer wurde die Vorstellung. Wir lasen Reiseblogs, hörten Podcasts, sprachen mit Menschen, die Ähnliches gewagt hatten. Und vor allem machten wir uns klar: Es gibt immer Gründe, etwas nicht zu tun – aber wenn wir es wirklich wollen, gibt es auch Wege, es möglich zu machen. - Und diese Wege wollen wir jetzt gehen. 

Mit jedem konkreteren Gedanken wurde die Liste der Dinge, die wir klären mussten, länger. Und das war ein gutes Zeichen! Denn es bedeutete, dass wir uns nicht mehr fragten, ob wir es tun, sondern wie wir es umsetzen.

Die To-do-Liste wuchs – und unser Mut auch

Ein Sabbatjahr bedeutet weit mehr als nur eine lange Reise. Es bedeutet, sein komplettes Leben für eine Weile umzustellen. Plötzlich standen wir vor großen Fragen:

  • Job: Wie gelingt es uns, als Selbstständige unseren Betrieb komplett auf Remote-Business umzustellen? 
  • Haus: Vermieten oder leer stehen lassen?
  • Finanzen: Wie viel kostet das? Wo können wir sparen?
  • Schule: Was bedeutet das für unsere Kinder? Können wir eine Schulbeurlaubung durchsetzen?
  • Route: Welche Länder wollen wir sehen? Wie planen wir sinnvoll?

Am Anfang fühlten sich diese Fragen wie riesige Hürden an. Doch je tiefer wir einstiegen, desto mehr merkten wir: Alles ist lösbar. Manche Dinge brauchen Mut, andere eine Menge Organisation, aber nichts davon ist unmöglich.

Der Wendepunkt: Wir setzen es in Bewegung

Nachdem wir ein halbes Jahr lang an unserem Mindset gearbeitet hatten, folgten die ersten konkreten Schritte. So richtig verbindlich wurde es aber erst, als wir unseren Plan nicht mehr nur für uns behielten, sondern begannen, darüber zu sprechen. Wir erzählten Familie und Freunden davon – und plötzlich fühlte es sich nicht mehr nur wie eine Idee an, sondern wie eine Realität in der Mache.

Natürlich gab es skeptische Reaktionen. Und was ist mit eurem Betrieb? Ist das nicht riskant? Wie macht ihr das mit der Schule?

Klar, das sind berechtigte Fragen. Aber wir hatten uns bereits so intensiv damit auseinandergesetzt, dass wir darauf Antworten hatten. Und vor allem hatten wir eins: Die Überzeugung, dass wir das Richtige tun.

Was wir aus diesem Prozess gelernt haben

Eine Weltreise zu planen, ist eine riesige organisatorische Aufgabe. Aber die eigentliche Herausforderung beginnt im Kopf. Sich wirklich auf die Idee einzulassen, anstatt sie nur als „irgendwann mal“ abzutun – das war der größte Schritt.

Unser Learning: Wenn man sich mit einer großen Idee intensiv beschäftigt, verliert sie ihren Schrecken. Die Hürden werden greifbarer – und damit lösbarer. Und am Ende ist es oft nur eine Frage des Mindsets: Träumst Du weiter – oder setzt Du den ersten Schritt?

Wir haben unseren ersten Schritt gemacht. Unsere Reise beginnt.

Irene und Sebastian

Irene & Sebastian | wirreisenjetzt.de