Unsere Weltreise

Zuhause auf Zeit

Perth, Abschied vom Camper und ein Abflug mit Überraschungen

Nach Wochen im Wohnmobil fühlt sich die Rückkehr nach Perth beinahe unwirklich an. Kein Motorengeräusch mehr unter uns, kein abendliches Suchen nach einem Stellplatz, kein Zusammenklappen von Tischen und Stühlen. Stattdessen: ein Haus. Ein echtes Haus.

Zum ersten Mal wagen wir einen Haustausch über die Plattform HomeExchange – und kommen in Bassendean, einem ruhigen Vorort nordöstlich von Perth nahe dem Swan Valley, bei Sandra und Noel an. Die beiden ehemaligen Merinoschaf-Farmer überlassen uns ihr Haus mit dem kleinen, liebevoll gepflegten Garten für eine Woche. Das ist genau das, was wir jetzt brauchen. Auf der Terrasse weht ein leichter Wind durch die Bäume, drinnen wartet eine voll ausgestattete Küche, Bücherregale, Sofas, jeder Platz und Rückzugsräume.

Wir dürfen sogar Sandras Auto nutzen. Dieses Vertrauen berührt uns. HomeExchange ist ein erstaunliches Konzept – kein anonymes Mietverhältnis, sondern ein gegenseitiges Öffnen von Türen und Leben. Man spürt, dass hier Menschen reisen, nicht nur Profile.

Zunächst aber heißt es Abschied nehmen. Wir laden das Wohnmobil aus, sortieren, waschen, fegen Sand aus jeder Ritze. Es ist erstaunlich, wie viel Sand sich in vier Wochen ansammeln. Am nächsten Morgen bringen Maximilian und Sebastian den Camper zurück. Als sie ohne ihn zurückkommen, ist es seltsam still. Dieses Fahrzeug war unser Zuhause, unser Schutzraum, unser ständiger Begleiter. Nun steht es wieder auf dem Hof des Vermieters, bereit für die nächsten Reisenden.

Wir hingegen genießen es, einfach einmal nichts zu müssen. Der nächste Tag gehört dem Ankommen. Ausschlafen. Kochen. Lesen. Ein bisschen Alltag inmitten unserer Reise.

 

Ein Abend in Perth

Am Abend fahren wir alleine mit dem Zug in die Stadt. Die Kinder bleiben zuhause – alt genug, selbstständig genug, und ehrlich gesagt genießen sie es ebenfalls, einmal ohne uns zu sein.

Perth empfängt uns mit milder Abendluft. Wir schlendern am Elizabeth Quay, wo sich die kyline im Swan River spiegelt, es herrscht eine entspannte Stimmung, überall gibt es Parks und Grün. Perth ist eine tolle Stadt!

Weiter geht es zum modernen Bell Tower, dessen Glas und Stahl im Dunkeln fast futuristisch wirken. Dann noch über die Barrack Street und zum lebendigen Yagan Square, wo junge Menschen sitzen, lachen, essen.

 

Der Höhepunkt für uns an diesem Abend: ein Abendessen zu zweit. Gespräche ohne Unterbrechung. Keine Reise-Logistik, kein Organisieren, kein „Mama, wo ist ...?“. Es fühlt sich ungewohnt und gleichzeitig vertraut an. Als wir spät zurückkommen, erzählen auch die Kinder von ihrem entspannten Abend. Manchmal tut Abstand gut – besonders innerhalb einer Reise.

 

Fremantle – Mauern voller Geschichten

Am nächsten Tag sind wir wieder als Familie gemeinsam unterwegs. Ziel: Fremantle.

Schon von Weitem erhebt sich sichtbar das massive Sandsteingebäude des Fremantle Prison. Zwischen 1850 und 1991 war es in Betrieb, ursprünglich von Sträflingen errichtet, die als Gefangene aus Großbritannien nach Australien deportiert wurden. Das Gefängnis gehört heute zum UNESCO-Weltkulturerbe und gilt als eines der besterhaltenen Beispiele kolonialer Strafanstalten.

 

Unser Guide führt uns durch enge Zellen, karge Innenhöfe und düstere Korridore. Er erzählt äußerst unterhaltsam von spektakulären Ausbruchsversuchen, von Einzelhaft, von Gefangenen, die hier Jahrzehnte verbrachten. Von Revolten, Skandalen, Auspeitschungen. Die Geschichten sind lebendig, manchmal erschütternd, manchmal erstaunlich menschlich. Wir hören gebannt zu. Geschichte wird greifbar – und plötzlich sehr nah.

Draußen in der Sonne wirkt Fremantle fast heiter. Die historischen Gebäude entlang der Straßen, die liebevoll restaurierten Fassaden, die Cafés und kleinen Läden – all das verleiht der Stadt einen besonderen Charme. In den Fremantle Markets essen wir im Food Court zu Mittag, schlendern anschließend zum Round House, dem ältesten erhaltenen Gebäude Westaustraliens aus dem Jahr 1831, und spazieren durch den grünen Esplanade Park.

Fremantle gefällt uns. Hier spürt man noch den Geist der Pioniere, der Hafenarbeiter, der Auswanderer. Eine Stadt mit Geschichte – und Charakter.

 

Sonne, Wellen und Wein

Der nächste Tag gehört dem Meer. Es ist heiß, also fahren wir nach Scarborough Beach. Stundenlang springen wir in die kräftige Brandung des Indischen Ozeans, lassen uns von Wellen tragen, liegen im warmen Sand. Ein klassischer australischer Sommertag – salzige Haut, sonnengebleichte Haare, das Rauschen des Meeres im Ohr.

An unserem letzten Tag in Perth zieht es uns ins Swan Valley, eine der ältesten Weinregionen Australiens, nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Zwischen sanften Hügeln liegen Weingüter, kleine Brauereien und Cafés. Beim traditionsreichen Sandalford Winery picknicken Familien unter schattigen Bäumen, Gläser klirren, Kinder spielen im Gras. Die Stimmung ist entspannt, beinahe mediterran.

Im nahegelegenen Whiteman Park spazieren wir durch weite Grünflächen, sehen Kängurus im hohen Gras und genießen noch einmal diese ruhige, fast ländliche Atmosphäre. Was für ein toller Abschluss unserer Reise durch Western Australia!

 

Der Abflug, der keiner war

Irgendwann kommt auf jeder Reise dieser Moment, in dem man wieder packt. Mittler weile nicht mehr hektisch, nicht panisch – sondern eher routiniert. Wir wissen inzwischen ziemlich genau, was in welchen Koffer gehört, damit wir die Gewichtsobergrenze einhalten. Wir wissen, wer kontrolliert, ob alle Ladekabel eingepackt sind, wer sich um online-Check in und Boardingpässe kümmert und wer garantiert noch einmal „Habt ihr wirklich alles eingepackt?“ fragt.

Melbourne wartet auf uns! Drei Stunden Flug. Drei Stunden Zeitverschiebung. Ein Nachtflug, der uns – so die optimistische Theorie – schlafend ans Ziel bringen sollte.

Wir sind früh am Flughafen Perth, geben entspannt unser Gepäck auf und genießen noch einmal die Lounge. Snacks, Getränke, bequeme Sessel – wir fühlen uns wie erfahrene Vielflieger. Alles läuft wie am Schnürchen. Boarding pünktlich. Sitze bequem. Die Kinder erstaunlich kooperativ.

Das Flugzeug rollt zur Startbahn. Die Triebwerke heulen auf. - Und verstummen wieder.

Man merkt sofort: Das war nicht geplant.

Ein Moment der Stille. Dann rollt die Maschine ein Stück weiter. Hält erneut. Man hört dieses typische Klicken, Summen, Aufheulen – und wieder nichts. Statt abzuheben, stehen wir plötzlich einfach nur da. Auf der Startbahn. Im Nirgendwo zwischen Gate und Abflug.

Dann die Durchsage des Captains. Ruhig, professionell, aber eindeutig: Beim finalen Motorencheck ist ein Problem aufgetreten. Das linke Triebwerk funktioniert nicht. Techniker kommen an Bord. Wir beobachten durch die offene Cockpit-Tür Ingenieure, die konzentriert mit dem Piloten diskutieren. Man sieht Gesten, Stirnrunzeln, Kopfschütteln. Es dauert. Und irgendwann fällt die Entscheidung:

„Dieses Flugzeug wird heute nicht starten.“

Also zurück zum Gate und wieder raus aus dem Flieger. Es ist inzwischen kurz nach zwei Uhr nachts. Am Gate dann die Info: es wird ein Ersatzflugzeug gestellt, das auch bald erscheint. Doch boarden dürfen wir nicht. Stattdessen heißt es nun: holt bitte euer Gepäck wieder ab, wir starten erst um 6 Uhr morgens. Also ab zum Gepäckband, Koffer vom Band nehmen und weiter warten. Dann die Info, dass wir erneut einchecken müssen.

Eine Unterkunft wird uns nicht gestellt – offenbar gilt „Nacht am Flughafen“ als integratives Reiseerlebnis. Irene und die Mädels sichern sich einen halbwegs gemütlichen Platz in einem geschlossenen Café, während Maximilian und Sebastian sich in Geduld und Schlange stehen üben.

Als wir zum zweiten Mal in dieser Nacht endlich unsere Boardingpässe in der Hand halten, dämmert es draußen bereits. Immerhin bekommen wir Frühstücksgutscheine. Kaffee um fünf Uhr morgens ist ein echter Lebensretter.

Und irgendwann, als wir kaum noch unterscheiden können, ob wir müde oder einfach nur leer sind, sitzen wir erneut im Flugzeug. Dieses Mal starten die Triebwerke ohne Drama. Kein Zögern. Kein zweiter Versuch. Und während Perth unter uns kleiner wird, schauen wir uns an und müssen schmunzeln.

Dinge wie diese passieren eben. (Gut, dass der Defekt vor dem Abflug erkannt wurde und nicht zu spät!)

Aber genau das ist es ja. Reisen ist nicht nur Sonnenuntergang am Strand. Es ist auch Startbahn um zwei Uhr nachts mit Ingenieuren im Gang.

Und ganz ehrlich? Das bleibt hängen. Melbourne wartet trotzdem.

Warum wir uns für eine Weltreise mit schulpflichtigen Kindern entschieden haben – und was es mit unserem Mindset gemacht hat

Irgendwann gegen Ende des Jahres 2023 haben wir eine Entscheidung getroffen, die unser Leben komplett auf den Kopf stellen würde: Wir nehmen uns eine Auszeit, ein ganzes Jahr, um die Welt zu bereisen. Ein Sabbatjahr – etwas, das für uns lange wie ein schöner Traum klang, aber nie wirklich greifbar war. Doch je mehr wir uns damit befasst haben, desto klarer wurde: Das ist nicht nur ein Traum. Es ist machbar. Es braucht nur das richtige Mindset.

 

Der erste Funke: Warum eigentlich nicht?

Die Idee kam nicht über Nacht. Es war ein schleichender Prozess, ein Gedanke, der immer wieder aufkam, wenn wir von unseren langen Reisen mit unserem Wohnmobil zurückkehrten, in Reiseerinnerungen schwelgten oder uns von Dokumentationen inspirieren ließen. Eigentlich ist unsere Entscheidung im Nachhinein betrachtet nur die logische Konsequenz unserer bisherigen Reiseaktivitäten. Aber da war auch immer diese Stimme im Kopf: Geht das überhaupt? Können wir das wirklich machen? Geht das überhaupt mit schulpflichtigen Kindern?

Anfangs überwogen die Zweifel: der Job, das Haus, die Finanzen, die Schule der Kinder, all die Verpflichtungen des Alltags. Doch dann drehten wir die Frage um: Warum eigentlich nicht? Was hält uns wirklich davon ab?

Mindset: Von „irgendwann“ zu „wir Reisen Jetzt!“

Wir begannen, uns bewusster mit dem Thema zu beschäftigen. Je mehr wir darüber sprachen, desto realer wurde die Vorstellung. Wir lasen Reiseblogs, hörten Podcasts, sprachen mit Menschen, die Ähnliches gewagt hatten. Und vor allem machten wir uns klar: Es gibt immer Gründe, etwas nicht zu tun – aber wenn wir es wirklich wollen, gibt es auch Wege, es möglich zu machen. - Und diese Wege wollen wir jetzt gehen. 

Mit jedem konkreteren Gedanken wurde die Liste der Dinge, die wir klären mussten, länger. Und das war ein gutes Zeichen! Denn es bedeutete, dass wir uns nicht mehr fragten, ob wir es tun, sondern wie wir es umsetzen.

Die To-do-Liste wuchs – und unser Mut auch

Ein Sabbatjahr bedeutet weit mehr als nur eine lange Reise. Es bedeutet, sein komplettes Leben für eine Weile umzustellen. Plötzlich standen wir vor großen Fragen:

Am Anfang fühlten sich diese Fragen wie riesige Hürden an. Doch je tiefer wir einstiegen, desto mehr merkten wir: Alles ist lösbar. Manche Dinge brauchen Mut, andere eine Menge Organisation, aber nichts davon ist unmöglich.

Der Wendepunkt: Wir setzen es in Bewegung

Nachdem wir ein halbes Jahr lang an unserem Mindset gearbeitet hatten, folgten die ersten konkreten Schritte. So richtig verbindlich wurde es aber erst, als wir unseren Plan nicht mehr nur für uns behielten, sondern begannen, darüber zu sprechen. Wir erzählten Familie und Freunden davon – und plötzlich fühlte es sich nicht mehr nur wie eine Idee an, sondern wie eine Realität in der Mache.

Natürlich gab es skeptische Reaktionen. Und was ist mit eurem Betrieb? Ist das nicht riskant? Wie macht ihr das mit der Schule?

Klar, das sind berechtigte Fragen. Aber wir hatten uns bereits so intensiv damit auseinandergesetzt, dass wir darauf Antworten hatten. Und vor allem hatten wir eins: Die Überzeugung, dass wir das Richtige tun.

Irene & Sebastian | wirreisenjetzt.de

Was wir aus diesem Prozess gelernt haben

Eine Weltreise zu planen, ist eine riesige organisatorische Aufgabe. Aber die eigentliche Herausforderung beginnt im Kopf. Sich wirklich auf die Idee einzulassen, anstatt sie nur als „irgendwann mal“ abzutun – das war der größte Schritt.

Unser Learning: Wenn man sich mit einer großen Idee intensiv beschäftigt, verliert sie ihren Schrecken. Die Hürden werden greifbarer – und damit lösbarer. Und am Ende ist es oft nur eine Frage des Mindsets: Träumst Du weiter – oder setzt Du den ersten Schritt?

Wir haben unseren ersten Schritt gemacht. Unsere Reise beginnt.

Irene und Sebastian

Irene & Sebastian | wirreisenjetzt.de