Unsere Weltreise

Abschied von Victoria

Nach den intensiven Tagen auf der Schaffarm von Karen und Geoff fällt uns der Abschied nicht leicht. Zu sehr haben wir uns an das Leben dort gewöhnt – an die Arbeit, die Weite, die Begegnungen. Doch unsere Reise geht weiter. Wir steigen ins Auto und machen uns auf den Weg Richtung Ballarat.

Ein Ort der Stille – The Great Stupa of Compassion

Unser erster Stopp liegt unweit von Bendigo: die Great Stupa of Universal Compassion.

Schon von Weitem ragt die goldene Spitze in den Himmel – ein Anblick, den man hier, mitten im ländlichen Victoria, kaum erwarten würde. Die Stupa gehört zu den größten buddhistischen Bauwerken der westlichen Welt und wurde als Ort des Friedens, der Meditation und des Mitgefühls errichtet. Inspiriert ist sie von der berühmten Gyantse-Stupa in Tibet, und im Inneren befindet sich unter anderem eine der größten Buddha-Statuen Australiens.

Nach all den Wochen in Asien ist uns der Buddhismus nicht mehr fremd. Im Gegenteil – vieles fühlt sich vertraut an. Die Farben, die Symbole, die ruhige, fast schwebende Atmosphäre. Wir gehen langsam um die Stupa herum (natürlich im Uhrzeigersinn), lassen den Ort auf uns wirken.

 

Es ist einer dieser Momente, in denen wir spüren, wie sehr uns diese Reise verändert hat.

 

Goldgräbercharme: Maldon und Daylesford

Weiter geht es Richtung Ballarat, doch wir nehmen uns Zeit für zwei kleine Orte, die wie aus einer anderen Zeit wirken.

Maldon ist ein perfekt erhaltenes Goldgräberstädtchen aus dem 19. Jahrhundert. Die historischen Fassaden, die kleinen Läden, die breite Hauptstraße – alles wirkt, als hätte man die Zeit einfach angehalten. Kein Kitsch, keine Inszenierung, sondern echte Geschichte, die noch spürbar ist.

Ganz anders, aber ebenso charmant ist Daylesford. Der Ort ist bekannt für seine Mineralquellen, seine entspannte Atmosphäre und eine gewisse künstlerische Leichtigkeit. Cafés, kleine Galerien, Menschen, die sich Zeit nehmen.

Wir halten an den Hepburn Springs, füllen unsere Flaschen mit dem mineralhaltigen Wasser und probieren es direkt vor Ort. Der Geschmack ist… besonders. Aber der Gedanke, hier aus einer natürlichen Quelle zu trinken, hat etwas Ursprüngliches.

 

Ballarat

Am Nachmittag erreichen wir Ballarat, wo wir unsere nächste Unterkunft beziehen. Unser Haus liegt direkt am Lake Wendouree – eine traumhafte Lage. Der See glitzert in der Sonne, Schwäne ziehen ruhig ihre Bahnen, Spaziergänger und Jogger umrunden das Ufer.

Ballarat selbst ist eine Stadt mit Geschichte. Während des Goldrauschs im 19. Jahrhundert war sie eine der reichsten Städte der Welt. Noch heute zeugen prächtige Gebäude und breite Straßen von dieser Zeit.

 

Am Abend gehen wir essen – und zwar vietnamesisch. Das Restaurant heißt passenderweise „Hoi An“.

Schon beim ersten Bissen merken wir, wie sehr uns das vietnamesische Essen gefehlt hat. Die Aromen, die Frische, die Leichtigkeit. Wir sitzen da, essen, lachen – und schwelgen in Erinnerungen. Gleichzeitig wächst die Vorfreude auf unsere Rückkehr nach Vietnam.

Abende am See

Die nächsten Tage in Ballarat verlaufen ruhig.

Der botanische Garten liegt nur wenige Minuten von unserem Haus entfernt. Abends spazieren wir durch die gepflegten Anlagen, vorbei an alten Bäumen, Blumenbeeten und Skulpturen.

Danach geht es weiter am See entlang.

Die Sonne sinkt langsam, das Licht wird weich, und wir genießen diese ruhigen Momente nach all den intensiven Wochen zuvor.

 

Mystische Wälder im Yarra Ranges Nationalpark

Nach ein paar Tagen brechen wir wieder auf. Unser nächstes Ziel: der Yarra Ranges Nationalpark.

Schon die Fahrt dorthin verändert die Landschaft. Die Luft wird feuchter, die Vegetation dichter. Und plötzlich sind wir mitten in einer anderen Welt.

Gigantische Farnwälder, hohe Bäume, die bis in die Wolken zu ragen scheinen, und eine fast mystische Stimmung. Der Wald wirkt uralt, beinahe wie aus einer anderen Zeit.

Wir fahren über schmale, teilweise abenteuerliche Pisten, halten immer wieder an kleinen Lichtungen, Wasserläufen und Aussichtspunkten.

In dieser mystischen Umgebung begegnen wir einigen Lyrebirds. Diese außergewöhnlichen Vögel mit ihren auffälligen Schwanzfedern, bekannt für ihre Fähigkeit, Geräusche perfekt zu imitieren, huschen durch das Unterholz. Ein besonderer Moment – still, flüchtig und doch eindrücklich.

 

Abschied von Victoria

Doch irgendwann ist es wieder so weit.

Wir verlassen die Yarra Ranges und kehren zurück in die Zivilisation. Ein letztes Mal sortieren wir unser Gepäck, wägen ab, was wir wirklich brauchen, und bringen unsere Koffer auf die erlaubten 20 Kilogramm.

Vor uns liegt der nächste Flug. Sydney wartet und ein neues letzte Kapitel unserer Reise.

Warum wir uns für eine Weltreise mit schulpflichtigen Kindern entschieden haben – und was es mit unserem Mindset gemacht hat

Irgendwann gegen Ende des Jahres 2023 haben wir eine Entscheidung getroffen, die unser Leben komplett auf den Kopf stellen würde: Wir nehmen uns eine Auszeit, ein ganzes Jahr, um die Welt zu bereisen. Ein Sabbatjahr – etwas, das für uns lange wie ein schöner Traum klang, aber nie wirklich greifbar war. Doch je mehr wir uns damit befasst haben, desto klarer wurde: Das ist nicht nur ein Traum. Es ist machbar. Es braucht nur das richtige Mindset.

 

Der erste Funke: Warum eigentlich nicht?

Die Idee kam nicht über Nacht. Es war ein schleichender Prozess, ein Gedanke, der immer wieder aufkam, wenn wir von unseren langen Reisen mit unserem Wohnmobil zurückkehrten, in Reiseerinnerungen schwelgten oder uns von Dokumentationen inspirieren ließen. Eigentlich ist unsere Entscheidung im Nachhinein betrachtet nur die logische Konsequenz unserer bisherigen Reiseaktivitäten. Aber da war auch immer diese Stimme im Kopf: Geht das überhaupt? Können wir das wirklich machen? Geht das überhaupt mit schulpflichtigen Kindern?

Anfangs überwogen die Zweifel: der Job, das Haus, die Finanzen, die Schule der Kinder, all die Verpflichtungen des Alltags. Doch dann drehten wir die Frage um: Warum eigentlich nicht? Was hält uns wirklich davon ab?

Mindset: Von „irgendwann“ zu „wir Reisen Jetzt!“

Wir begannen, uns bewusster mit dem Thema zu beschäftigen. Je mehr wir darüber sprachen, desto realer wurde die Vorstellung. Wir lasen Reiseblogs, hörten Podcasts, sprachen mit Menschen, die Ähnliches gewagt hatten. Und vor allem machten wir uns klar: Es gibt immer Gründe, etwas nicht zu tun – aber wenn wir es wirklich wollen, gibt es auch Wege, es möglich zu machen. - Und diese Wege wollen wir jetzt gehen. 

Mit jedem konkreteren Gedanken wurde die Liste der Dinge, die wir klären mussten, länger. Und das war ein gutes Zeichen! Denn es bedeutete, dass wir uns nicht mehr fragten, ob wir es tun, sondern wie wir es umsetzen.

Die To-do-Liste wuchs – und unser Mut auch

Ein Sabbatjahr bedeutet weit mehr als nur eine lange Reise. Es bedeutet, sein komplettes Leben für eine Weile umzustellen. Plötzlich standen wir vor großen Fragen:

Am Anfang fühlten sich diese Fragen wie riesige Hürden an. Doch je tiefer wir einstiegen, desto mehr merkten wir: Alles ist lösbar. Manche Dinge brauchen Mut, andere eine Menge Organisation, aber nichts davon ist unmöglich.

Der Wendepunkt: Wir setzen es in Bewegung

Nachdem wir ein halbes Jahr lang an unserem Mindset gearbeitet hatten, folgten die ersten konkreten Schritte. So richtig verbindlich wurde es aber erst, als wir unseren Plan nicht mehr nur für uns behielten, sondern begannen, darüber zu sprechen. Wir erzählten Familie und Freunden davon – und plötzlich fühlte es sich nicht mehr nur wie eine Idee an, sondern wie eine Realität in der Mache.

Natürlich gab es skeptische Reaktionen. Und was ist mit eurem Betrieb? Ist das nicht riskant? Wie macht ihr das mit der Schule?

Klar, das sind berechtigte Fragen. Aber wir hatten uns bereits so intensiv damit auseinandergesetzt, dass wir darauf Antworten hatten. Und vor allem hatten wir eins: Die Überzeugung, dass wir das Richtige tun.

Irene & Sebastian | wirreisenjetzt.de

Was wir aus diesem Prozess gelernt haben

Eine Weltreise zu planen, ist eine riesige organisatorische Aufgabe. Aber die eigentliche Herausforderung beginnt im Kopf. Sich wirklich auf die Idee einzulassen, anstatt sie nur als „irgendwann mal“ abzutun – das war der größte Schritt.

Unser Learning: Wenn man sich mit einer großen Idee intensiv beschäftigt, verliert sie ihren Schrecken. Die Hürden werden greifbarer – und damit lösbarer. Und am Ende ist es oft nur eine Frage des Mindsets: Träumst Du weiter – oder setzt Du den ersten Schritt?

Wir haben unseren ersten Schritt gemacht. Unsere Reise beginnt.

Irene und Sebastian

Irene & Sebastian | wirreisenjetzt.de