Vietnam

Warum eigentlich so lange Hoi An?

Diese Frage hören wir wirklich oft von unserer Familie und unseren Freunden zuhause. Als wir nach unserem kurzen Abstecher nach Bangkok wieder nach Hoi An zurückkamen, fühlte es sich nicht wie eine Rückkehr auf eine Reisestation an, sondern wie ein Nach-Hause-Kommen. Und gleichzeitig stellte sich immer wieder dieselbe Frage – von außen wie von innen: Warum eigentlich so lange Hoi An?

Die Antwort darauf ist vielschichtig. Und sie beginnt bei unseren Kindern.

Natürlich ist Hoi An ein einfach wunderschönes Fleckchen Erde - nicht zu groß, nicht zu klein. Großartige Strände, eine historische Altstadt, Reisfelder, Flüsse gesäumt von Kokospalmen, das fantastische Essen. Doch der eigentliche Grund, warum wir uns hier so wohl fühlen ist ein anderer.

 

Auf der Suche nach Begegnung

Als wir damals in Hoi An ankamen, war uns eines sehr bewusst: Maximilian, Marlene und Mathilda sollten auf dieser Reise nicht nur Orte sehen, sondern auch Menschen kennenlernen. Gleichaltrige. Freundschaften erleben. Austausch haben – jenseits von flüchtigen Begegnungen unterwegs.

Über Social Media stießen wir auf die noch junge Worldschooling-Community hier in Hoi An. Ein Begriff, der uns zunächst fremd war. Worldschooling klang interessant, aber auch ungewohnt – ein bisschen abstrakt. Trotzdem nahmen wir Kontakt auf. Dabei war schnell klar: Eigentlich wollten wir ja nur kurz bleiben. (Geplant war urpsrünglich ein Aufenthalt von 1-2 Wochen.) Und genau das machte es schwierig zu erklären, warum wir dennoch Teil dieser Community werden wollten.

Nach einigen ehrlichen Nachrichten und Gesprächen – vor allem mit Liesel, die hier unglaublich viel organisiert und zusammenhält – wurden wir schließlich in die entsprechenden WhatsApp-Gruppen für Teens und Tweens aufgenommen. Und von da an änderte sich vieles.

 

Teil einer lebendigen Gemeinschaft

Seitdem sind wir lebhafter Teil dieser Community. Unsere Kinder treffen sich regelmäßig mit anderen Kindern und Jugendlichen aus aller Welt. Es wird gespielt, diskutiert, Sport gemacht, kreativ gearbeitet, gelacht. Freundschaften entstehen ganz selbstverständlich – ohne Schulhof, ohne Stundenplan, ohne Leistungsdruck.

Das Konzept des Worldschoolings war uns anfangs fremd. Doch je länger wir hier sind, desto mehr erschließt sich uns der Sinn dahinter. Besonders für Mathilda ist diese Form des Lernens genau richtig. Beim Reisen und Entdecken der Welt begegnen wir ständig Dingen, die Fragen aufwerfen. Diese Fragen greifen wir auf, recherchieren gemeinsam, vertiefen Themen – so lange, bis Zusammenhänge klar werden.

Das Schöne daran ist: Die Motivation kommt von innen. Aus Neugier. Aus echtem Interesse. Und das Gelernte ist nicht abstrakt, sondern konkret, greifbar, erlebbar. Es hat einen direkten Bezug zum Leben.

Inspiration für uns als Eltern

Auch für Irene und Sebastian ist das Leben in der Expat-Community von Hoi An unglaublich inspirierend. Wir haben mittlerweile einen Kreis von Menschen aus aller Welt um uns, mit denen wir uns regelmäßig treffen. Wir tauschen Erfahrungen aus, lachen viel, führen Gespräche, die tiefer gehen als Smalltalk.

Es ist bereichernd, anderen Menschen zu begegnen, die mit ähnlichen Gedanken und Vorstellungen losgereist sind. Menschen, deren Reise sie nicht nur an neue Orte führt, sondern immer wieder zu sich selbst. Genau das erleben wir auch.

Wir haben hier so viel Zeit, über unser eigenes Leben nachzudenken, Dinge zu hinterfragen. Und wir haben die Freiheit, nach unseren eigenen Bedürfnissen und Prioritäten zu leben. Was sich leicht anhört, ist in Wahrheit tief und fordernd.

Wann hatten wir im hektischen Alltag in Deutschland schon diese Freiheit? Dort waren die Verpflichtungen: Schule, Beruf, Haushalt, Politik. All das hat vieles von dem überlagert, was uns eigentlich ausmacht. Hier gibt es diese äußeren Strukturen nicht. Wir müssen unseren Tag selbst mit Sinn füllen. Jeden Tag aufs Neue.

Das ist eine Reise zu uns selbst – und nicht immer eine einfache. Umso wertvoller ist es, Menschen um sich zu haben, die ähnliche Erfahrungen machen. Mit denen man offen darüber sprechen kann.

Gespräche, die bleiben

Wir reden viel über Bildung. Über Bildungschancen für unsere Kinder. Darüber, wie Schule in anderen Ländern funktioniert, wie unterschiedlich Lehrpläne aussehen – und was andere Eltern für wirklich elementare Bildungsinhalte halten. Eben, welche Fähigkeiten wir unseren Kindern für ihr zukünftiges Leben mitgeben möchten. Dabei entdecken wir das Konzept des Worldschooling für uns.

Es ist erfrischend und bereichernd, diese Perspektiven kennenzulernen. Und es tut gut, mit Eltern aus aller Welt über die Herausforderung zu sprechen, Teenager auf dem Weg ins Erwachsenwerden zu begleiten.

Es ist belebend, gemeinsam Sport zu machen. Pickleball ist hier fast schon ein soziales Zentrum geworden. Bewegung, Lachen, Begegnung – all das verbindet.

Es sind diese Begegnungen und Freundschaften, die Hoi An für uns so besonders machen. Und genau deshalb haben wir entschieden, Weihnachten und Silvester in Hoi An zu verbringen.

 

Weihnachten fern der Heimat – und doch ganz nah

So haben wir schließlich auch Weihnachten und Silvester hier verbracht. Weihnachten fernab unserer Traditionen in Deutschland – das wollte bewusst gestaltet werden. Schnell war klar: Heiligabend verbringen wir mit Freunden.

Mit Steff und Christian und ihren Töchtern Selma und Sophia aus Deutschland, mit Lucie, Matthieu und ihrer Tochter Delphine aus Quebec. Unterschiedliche Herkunft, unterschiedliche Traditionen – und doch entstand schnell ein gemeinsamer Plan.

Da wir den größten Esstisch haben, luden wir alle zu uns nach Hause ein. Zunächst - ganz typisch deutsch - zu Kaffee und Kuchen, den Steff und Chris organisiert hatten. Danach ein Spaziergang zur nahegelegenen Kunstgalerie, in der lokale Künstler ihre aus Treibholz gefertigten Skulpturen und Gemälde ausstellen. Wie überall begegnen einem die Menschen unfassbar offen und freundlich. (So wurden wir auch direkt zu einer Vernissage am nächsten Tag eingeladen, um bei Wein und Büffet mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen. Eine Einladung, die wir natürlich dankbar angenommen haben...)

Und anschließend ging es wieder zurück zu uns, zum Abendessen. Für die Kinder bereitete Matthieu eine fantastische Bolognese zu.Es gab Salate und als Höhepunkt des Abends zwei Enten, die Sebastian einige Tage zuvor bei einer lokalen Entenbraterei bestellt hatte. Die ausschließlich vietnamesisch sprechende Inhaberin war zunächst überzeugt, er habe sich verirrt. Doch nach ausgiebigen Verhandlungen mit Händen und Füßen verstand sie, was er wollte – und freute sich sichtbar, als er am Heiligabend tatsächlich erschien.

Einziger Punkt: Die Enten durften auf keinen Fall kleingehackt werden. PLEASE, don’t smash it! – was hier normalerweise mit jedem Geflügel passiert. Das führte zwar zu leichten Irritationen, unser Wunsch wurde aber respektiert. Das Ergebnis: perfekt gebratene Enten.

Mit diesem üppigen Mahl, langen Gesprächen über Gott und die Welt und viel Lachen verbrachten wir einen ganz besonderen Heiligabend. Anders. Aber wundervoll.

 

Silvester: laut, lebendig, gemeinsam

Silvester wurde dann laut – und groß. Wir konnten die benachbarte Pickleball-Halle nutzen und feierten dort eine ausgelassene Party mit Cocktails, Musik und tollen Gesprächen. Ohne Feuerwerk – denn das vietnamesische Neujahrsfest Têt findet erst im Februar statt. Aber mit umso mehr Gemeinschaft.

 

Menschen, die bleiben

Es fühlt sich gut und richtig an, hier in Hoi An bei diesen Menschen zu sein.

Da ist Liesel aus Südafrika, die mit unfassbarem Engagement alles koordiniert, für jeden da ist, immer ansprechbar – immer fröhlich, immer positiv.
Da ist James aus Cornwall, der introvertierte Musiker und Autor, der abends auf den Bühnen lokaler Bars spielt und mit dem Sebastian regelmäßig Pickleball spielt.
Da ist Ashlee aus Iowa mit ihrem unverkennbar amerikanischen Akzent, Mutter von Marlenes Freundinnen Olive und Rheya, die Gedichte schreibt – und mit der es immer unglaublich lustig ist.
Da sind Steff und Chris aus Deutschland, mit denen wir viel Zeit verbringen und unser Leben in Deutschland reflektieren. Ihre Tochter Sophia ist eine enge Freundin für Mathilda geworden.
Da sind Lucie und Matthieu aus Montreal, die sich mit 50 Jahren auf den Weg gemacht haben, um mit ihrer Tochter Delphine einige Monate die Welt zu bereisen.
Da ist Tony, der über und über tätowierte Australier, der mit seiner Familie einen Neustart in Vietnam wagt.
Da sind Steve und Ashley aus Toronto, mit denen wir Family-Pickleball spielen... 
Und da sind noch unzählige weitere Menschen, die unser Leben hier in Hoi An prägen.

Und auch bei den Locals sind wir längst keine Fremden mehr. Unsere Marktfrau bringt uns jeden Morgen ein paar neue vietnamesische Wörter bei. Unsere Nachbarn begrüßen uns mit einem herzlichen Xin chào und bringen uns Kuchen vorbei. Trung, der mit seinen nur 22 Jahren unser kleines lokales Stammrestaurant betreibt, ist uns besonders ans Herz gewachsen.

 

Ein Leben auf Zeit

Das Leben hier gefällt uns. Sehr sogar.
Es fühlt sich an wie Auswandern auf Zeit.
Wie ein Innehalten.
Wie ein Raum, in dem wir alle fünf wachsen dürfen – als Persönlichkeiten und gemeinsam als Familie.

Und wahrscheinlich ist genau das der Grund, warum wir noch hier sind.

Top-Sehenswürdigkeiten, Essen & Tipps

Vietnam mit Kindern entdecken: Tipps für unvergessliche Familienabenteuer

Vietnam hat sich zu einem der spannendsten Reiseziele Südostasiens entwickelt – besonders für Familien. Mit seiner vielfältigen Landschaft, freundlichen Bevölkerung und kostengünstigen Infrastruktur bietet das Land ideale Voraussetzungen für ein unvergessliches Familienabenteuer.

Must-See-Sehenswürdigkeiten für Familien

Vietnams Highlights sind so abwechslungsreich wie seine Kultur. Hier unsere Top-Empfehlungen:

  • Halong-Bucht: Ein UNESCO-Weltnaturerbe, das mit smaragdgrünen Gewässern und karstigen Inseln beeindruckt. Familien können hier Kajak fahren, Höhlen wie die Sung Sot-Höhle erkunden oder auf traditionellen Dschunken übernachten. Teenager lieben die Instagram-tauglichen Sonnenuntergänge, während jüngere Kinder das Muschelsammeln an einsamen Stränden genießen.
  • Hoi An: Die malerische Altstadt mit Laternenbeleuchtung und Fahrradtouren durch Reisfelder begeistert alle Altersgruppen. Besuchen Sie eine Kochschule – hier lernen Kinder, wie man Frühlingsrollen formt oder Banh Mi zubereitet.
  • Sapa: Trekking-Touren durch terrassierte Reisfelder und Begegnungen mit ethnischen Minderheiten bieten kulturelle Einblicke. Übernachten Sie in einem Homestay, wo Familien gemeinsam mit Einheimischen kochen und traditionelle Spiele spielen.
  • Phong Nha-Ke Bang Nationalpark: Abenteuerlustige Familien erkunden hier spektakuläre Höhlen wie die Paradise Cave oder die riesige Son-Doong-Höhle (für Teenager geeignet).
  • Mekong-Delta: Bootsfahrten durch schwimmende Märkte und Besuche von Obstplantagen zeigen Vietnams ländliche Seite. Kinder staunen über Kokosnuss-Süßigkeiten und exotische Früchte wie Rambutan.

Fortbewegung in Vietnam: Stressfrei unterwegs mit Kindern

Vietnams Infrastruktur ist gut ausgebaut, erfordert aber Planung:

  • Inlandsflüge: Schnell und günstig (ab 20 €) verbinden sie Städte wie Hanoi, Da Nang und Ho-Chi-Minh-Stadt. Ideal, um lange Busfahrten zu vermeiden.
  • Nachtzüge: Die Reunification Express-Linie von Nord nach Süd bietet Schlafwagen mit Familienabteilen. Züge sind sicherer und komfortabler als Busse, allerdings langsamer.
  • Private Fahrer: Ein Auto mit Chauffeur (ab 50 €/Tag) gibt Flexibilität für spontane Stopps. Kindersitze sind selten – daher eigene mitnehmen oder Sicherheitsgurte nutzen.
  • Grab-Taxis: Die App-basierte Buchung sichert feste Preise und englischsprachige Fahrer. Perfekt für Stadtexkursionen.

Tipp: Vermeide Mietwagen – der chaotische Verkehr (über 8 Millionen Motorräder!) ist für Ungeübte riskant.

Vietnamesische Küche: Ein Fest für kleine und große Gaumen

Vietnams Essen ist frisch, vielfältig und oft kinderfreundlich:

  • Pho: Die Nationalspeise (Reisnudelsuppe mit Huhn/Rind) wird morgens serviert und ist mild gewürzt. Perfekt für empfindliche Mägen.
  • Banh Mi: Knusprige Baguettes gefüllt mit Gemüse, Fleisch oder Ei – ein praktischer Snack für unterwegs.
  • Goi Cuon: Ungefüllte Frühlingsrollen mit Erdnusssoße – gesund und beliebt bei Kindern.
  • Kaffee-Kreationen: Probieren Sie Egg Coffee (mit Schaumcreme) oder Coconut Coffee – auch als Eiskaffee ein Hit.

Sicherheitstipps:

Streetfood nur an belebten Ständen mit frischer Zubereitung wählen.

Trinkwasser ausschließlich aus Flaschen nutzen – auch zum Zähneputzen.

Praktische Tipps für die Familienreise

1. Gesundheitsvorsorge:

  • Impfungen wie Hepatitis A und Tetanus sind empfohlen. Malaria-Prophylaxe wird für ländliche Gebiete angeraten.
  • Packe Mückenschutz mit DEET ein, Sonnencreme (LSF 50+) und eine Reiseapotheke mit Durchfallmittel sowie Fieberthermometer.

2. Unterkünfte:

  • Homestays: Bei lokalen Familien in Sapa oder Mai Chau lernen Kinder das ländliche Leben kennen. Viele bieten große Zimmer und Spielmöglichkeiten.
  • Hotels mit Pool: In Städten wie Hanoi oder Hoi An sorgen Pools für Abkühlung nach Sightseeing-Touren.

3. Kultur & Sicherheit:

  • Vietnamesen lieben Kinder – erwarten Sie viel Aufmerksamkeit, Fotos und spontane Umarmungen. Klären Sie ältere Kinder darauf vor, um Verunsicherung zu vermeiden.
  • Straßenüberquerungen erfordern Geduld: Langsam und stetig gehen – der Verkehr weicht aus! Halten Sie jüngere Kinder immer an der Hand.

4. Beste Reisezeit:

  • Februar–April: Trocken und mild (18–30°C), ideal für Rundreisen.
  • Dezember–Januar: Kühler im Norden (ab 10°C), perfekt für Trekking in Sapa.

 

Warum Vietnam perfekt für Familien ist

Viele Hotels und Touranbieter haben Angebote für Familien im Programm. Digitale Tools wie die Grab-App oder Online-Buchungsplattformen machen die Planung einfacher denn je. Zudem ist Vietnam sicherer als viele europäische Destinationen – Die Kriminalitätsrate ist niedrig, und die medizinische Versorgung in Großstädten entspricht internationalen Standards.

Fazit:
Vietnam vereint Abenteuer und Entspannung wie kaum ein anderes Land. Ob beim Paddeln zwischen Kalksteinfelsen, beim gemeinsamen Kochen in Hoi An oder beim Lachen mit einheimischen Kindern in Sapa – hier entstehen Erinnerungen fürs Leben. Mit etwas Vorbereitung wird Deine Familienreise zu einem mühelosen Erfolg, der Groß und Klein begeistert.

Du planst gerade eine Reise nach Sri Lanka? 
 

Wir haben anhand unserer Erfahrungen vor Ort unsere ganz persönlichen Highlights für dich zusammengestellt. 

Entdecke die schönsten Strände, spektakulärsten Landschaften und viele Ausflugstipps.

Spare Zeit und starte entspannt in deinen Urlaub, ohne lange recherchieren zu müssen.

Warum eigentlich so lange Hoi An?

Diese Frage hören wir wirklich oft von unserer Familie und unseren Freunden zuhause. Als wir nach unserem kurzen Abstecher nach Bangkok wieder nach Hoi An zurückkamen, fühlte es sich nicht wie eine Rückkehr auf eine Reisestation an, sondern wie ein Nach-Hause-Kommen. Und gleichzeitig stellte sich immer wieder dieselbe Frage – von außen wie von innen: Warum eigentlich so lange Hoi An?

Die Antwort darauf ist vielschichtig. Und sie beginnt bei unseren Kindern.

Natürlich ist Hoi An ein einfach wunderschönes Fleckchen Erde - nicht zu groß, nicht zu klein. Großartige Strände, eine historische Altstadt, Reisfelder, Flüsse gesäumt von Kokospalmen, das fantastische Essen. Doch der eigentliche Grund, warum wir uns hier so wohl fühlen ist ein anderer.

 

Auf der Suche nach Begegnung

Als wir damals in Hoi An ankamen, war uns eines sehr bewusst: Maximilian, Marlene und Mathilda sollten auf dieser Reise nicht nur Orte sehen, sondern auch Menschen kennenlernen. Gleichaltrige. Freundschaften erleben. Austausch haben – jenseits von flüchtigen Begegnungen unterwegs.

Über Social Media stießen wir auf die noch junge Worldschooling-Community hier in Hoi An. Ein Begriff, der uns zunächst fremd war. Worldschooling klang interessant, aber auch ungewohnt – ein bisschen abstrakt. Trotzdem nahmen wir Kontakt auf. Dabei war schnell klar: Eigentlich wollten wir ja nur kurz bleiben. (Geplant war urpsrünglich ein Aufenthalt von 1-2 Wochen.) Und genau das machte es schwierig zu erklären, warum wir dennoch Teil dieser Community werden wollten.

Nach einigen ehrlichen Nachrichten und Gesprächen – vor allem mit Liesel, die hier unglaublich viel organisiert und zusammenhält – wurden wir schließlich in die entsprechenden WhatsApp-Gruppen für Teens und Tweens aufgenommen. Und von da an änderte sich vieles.

 

Teil einer lebendigen Gemeinschaft

Seitdem sind wir lebhafter Teil dieser Community. Unsere Kinder treffen sich regelmäßig mit anderen Kindern und Jugendlichen aus aller Welt. Es wird gespielt, diskutiert, Sport gemacht, kreativ gearbeitet, gelacht. Freundschaften entstehen ganz selbstverständlich – ohne Schulhof, ohne Stundenplan, ohne Leistungsdruck.

Das Konzept des Worldschoolings war uns anfangs fremd. Doch je länger wir hier sind, desto mehr erschließt sich uns der Sinn dahinter. Besonders für Mathilda ist diese Form des Lernens genau richtig. Beim Reisen und Entdecken der Welt begegnen wir ständig Dingen, die Fragen aufwerfen. Diese Fragen greifen wir auf, recherchieren gemeinsam, vertiefen Themen – so lange, bis Zusammenhänge klar werden.

Das Schöne daran ist: Die Motivation kommt von innen. Aus Neugier. Aus echtem Interesse. Und das Gelernte ist nicht abstrakt, sondern konkret, greifbar, erlebbar. Es hat einen direkten Bezug zum Leben.

Inspiration für uns als Eltern

Auch für Irene und Sebastian ist das Leben in der Expat-Community von Hoi An unglaublich inspirierend. Wir haben mittlerweile einen Kreis von Menschen aus aller Welt um uns, mit denen wir uns regelmäßig treffen. Wir tauschen Erfahrungen aus, lachen viel, führen Gespräche, die tiefer gehen als Smalltalk.

Es ist bereichernd, anderen Menschen zu begegnen, die mit ähnlichen Gedanken und Vorstellungen losgereist sind. Menschen, deren Reise sie nicht nur an neue Orte führt, sondern immer wieder zu sich selbst. Genau das erleben wir auch.

Wir haben hier so viel Zeit, über unser eigenes Leben nachzudenken, Dinge zu hinterfragen. Und wir haben die Freiheit, nach unseren eigenen Bedürfnissen und Prioritäten zu leben. Was sich leicht anhört, ist in Wahrheit tief und fordernd.

Wann hatten wir im hektischen Alltag in Deutschland schon diese Freiheit? Dort waren die Verpflichtungen: Schule, Beruf, Haushalt, Politik. All das hat vieles von dem überlagert, was uns eigentlich ausmacht. Hier gibt es diese äußeren Strukturen nicht. Wir müssen unseren Tag selbst mit Sinn füllen. Jeden Tag aufs Neue.

Das ist eine Reise zu uns selbst – und nicht immer eine einfache. Umso wertvoller ist es, Menschen um sich zu haben, die ähnliche Erfahrungen machen. Mit denen man offen darüber sprechen kann.

Gespräche, die bleiben

Wir reden viel über Bildung. Über Bildungschancen für unsere Kinder. Darüber, wie Schule in anderen Ländern funktioniert, wie unterschiedlich Lehrpläne aussehen – und was andere Eltern für wirklich elementare Bildungsinhalte halten. Eben, welche Fähigkeiten wir unseren Kindern für ihr zukünftiges Leben mitgeben möchten. Dabei entdecken wir das Konzept des Worldschooling für uns.

Es ist erfrischend und bereichernd, diese Perspektiven kennenzulernen. Und es tut gut, mit Eltern aus aller Welt über die Herausforderung zu sprechen, Teenager auf dem Weg ins Erwachsenwerden zu begleiten.

Es ist belebend, gemeinsam Sport zu machen. Pickleball ist hier fast schon ein soziales Zentrum geworden. Bewegung, Lachen, Begegnung – all das verbindet.

Es sind diese Begegnungen und Freundschaften, die Hoi An für uns so besonders machen. Und genau deshalb haben wir entschieden, Weihnachten und Silvester in Hoi An zu verbringen.

 

Weihnachten fern der Heimat – und doch ganz nah

So haben wir schließlich auch Weihnachten und Silvester hier verbracht. Weihnachten fernab unserer Traditionen in Deutschland – das wollte bewusst gestaltet werden. Schnell war klar: Heiligabend verbringen wir mit Freunden.

Mit Steff und Christian und ihren Töchtern Selma und Sophia aus Deutschland, mit Lucie, Matthieu und ihrer Tochter Delphine aus Quebec. Unterschiedliche Herkunft, unterschiedliche Traditionen – und doch entstand schnell ein gemeinsamer Plan.

Da wir den größten Esstisch haben, luden wir alle zu uns nach Hause ein. Zunächst - ganz typisch deutsch - zu Kaffee und Kuchen, den Steff und Chris organisiert hatten. Danach ein Spaziergang zur nahegelegenen Kunstgalerie, in der lokale Künstler ihre aus Treibholz gefertigten Skulpturen und Gemälde ausstellen. Wie überall begegnen einem die Menschen unfassbar offen und freundlich. (So wurden wir auch direkt zu einer Vernissage am nächsten Tag eingeladen, um bei Wein und Büffet mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen. Eine Einladung, die wir natürlich dankbar angenommen haben...)

Und anschließend ging es wieder zurück zu uns, zum Abendessen. Für die Kinder bereitete Matthieu eine fantastische Bolognese zu.Es gab Salate und als Höhepunkt des Abends zwei Enten, die Sebastian einige Tage zuvor bei einer lokalen Entenbraterei bestellt hatte. Die ausschließlich vietnamesisch sprechende Inhaberin war zunächst überzeugt, er habe sich verirrt. Doch nach ausgiebigen Verhandlungen mit Händen und Füßen verstand sie, was er wollte – und freute sich sichtbar, als er am Heiligabend tatsächlich erschien.

Einziger Punkt: Die Enten durften auf keinen Fall kleingehackt werden. PLEASE, don’t smash it! – was hier normalerweise mit jedem Geflügel passiert. Das führte zwar zu leichten Irritationen, unser Wunsch wurde aber respektiert. Das Ergebnis: perfekt gebratene Enten.

Mit diesem üppigen Mahl, langen Gesprächen über Gott und die Welt und viel Lachen verbrachten wir einen ganz besonderen Heiligabend. Anders. Aber wundervoll.

 

Silvester: laut, lebendig, gemeinsam

Silvester wurde dann laut – und groß. Wir konnten die benachbarte Pickleball-Halle nutzen und feierten dort eine ausgelassene Party mit Cocktails, Musik und tollen Gesprächen. Ohne Feuerwerk – denn das vietnamesische Neujahrsfest Têt findet erst im Februar statt. Aber mit umso mehr Gemeinschaft.

 

Menschen, die bleiben

Es fühlt sich gut und richtig an, hier in Hoi An bei diesen Menschen zu sein.

Da ist Liesel aus Südafrika, die mit unfassbarem Engagement alles koordiniert, für jeden da ist, immer ansprechbar – immer fröhlich, immer positiv.
Da ist James aus Cornwall, der introvertierte Musiker und Autor, der abends auf den Bühnen lokaler Bars spielt und mit dem Sebastian regelmäßig Pickleball spielt.
Da ist Ashlee aus Iowa mit ihrem unverkennbar amerikanischen Akzent, Mutter von Marlenes Freundinnen Olive und Rheya, die Gedichte schreibt – und mit der es immer unglaublich lustig ist.
Da sind Steff und Chris aus Deutschland, mit denen wir viel Zeit verbringen und unser Leben in Deutschland reflektieren. Ihre Tochter Sophia ist eine enge Freundin für Mathilda geworden.
Da sind Lucie und Matthieu aus Montreal, die sich mit 50 Jahren auf den Weg gemacht haben, um mit ihrer Tochter Delphine einige Monate die Welt zu bereisen.
Da ist Tony, der über und über tätowierte Australier, der mit seiner Familie einen Neustart in Vietnam wagt.
Da sind Steve und Ashley aus Toronto, mit denen wir Family-Pickleball spielen... 
Und da sind noch unzählige weitere Menschen, die unser Leben hier in Hoi An prägen.

Und auch bei den Locals sind wir längst keine Fremden mehr. Unsere Marktfrau bringt uns jeden Morgen ein paar neue vietnamesische Wörter bei. Unsere Nachbarn begrüßen uns mit einem herzlichen Xin chào und bringen uns Kuchen vorbei. Trung, der mit seinen nur 22 Jahren unser kleines lokales Stammrestaurant betreibt, ist uns besonders ans Herz gewachsen.

 

Ein Leben auf Zeit

Das Leben hier gefällt uns. Sehr sogar.
Es fühlt sich an wie Auswandern auf Zeit.
Wie ein Innehalten.
Wie ein Raum, in dem wir alle fünf wachsen dürfen – als Persönlichkeiten und gemeinsam als Familie.

Und wahrscheinlich ist genau das der Grund, warum wir noch hier sind.