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Traumziele Asien

aus unserem Reiseblog:

Australiens Ostküste

Vom Pazifik bis in den ältesten Regenwald der Erde

Als wir die Blue Mountains hinter uns lassen und den Camper wieder auf den Highway lenken, beginnt das letzte große Kapitel unserer Australienreise. Vor uns liegen dreieinhalb Wochen entlang der Ostküste – von Sydney bis hinauf nach Cairns. Auf der Karte wirkt die Strecke überschaubar. Ein Blick entlang der Küstenlinie, ein paar bekannte Orte, dazwischen jede Menge Pazifik. Doch schon nach den ersten Tagen wird klar, dass dieser Roadtrip weit mehr sein wird als nur die Verbindung zweier Städte. Die Ostküste Australiens verändert sich ständig. Landschaften, Klima, Vegetation und Atmosphäre wechseln beinahe täglich. Und mit jedem Kilometer wächst unsere Begeisterung.

Nach den trockenen Weiten Western Australias und den sanften Hügeln Victorias erleben wir nun einen Kontinent, der sich von einer ganz anderen Seite zeigt. Die Küste nördlich von Sydney ist geprägt von kleinen Halbinseln, geschützten Buchten, langen Stränden und historischen Leuchttürmen, die seit mehr als hundert Jahren den Schiffen den Weg weisen. Immer wieder verlassen wir den Highway und folgen schmalen Straßen bis ans Meer, wo wir an Aussichtspunkten stehen und einfach nur schauen.

 

Entlang der Küste von New South Wales

Einer der ersten Orte, der uns in Erinnerung bleibt, ist Norah Head Lighthouse. Der weiße Leuchtturm erhebt sich auf einer Landzunge über dem Pazifik, während die Brandung gegen die dunklen Felsen schlägt. Es ist einer dieser Orte, die nicht spektakulär sein müssen, um Eindruck zu hinterlassen. Die Weite des Ozeans, der Wind und das stetige Donnern der Wellen reichen völlig aus.

Wenig später erreichen wir den Sugarloaf Point Lighthouse, der für uns zu den schönsten Leuchttürmen der gesamten Reise gehört. Die Straße dorthin führt durch dichten Eukalyptuswald, bevor sich plötzlich der Blick auf die Küste öffnet. Hoch über dem Meer steht der Leuchtturm einsam auf seiner Klippe, während unter ihm die Wellen gegen die Felsen brechen. Wir bleiben lange dort, genießen die Aussicht und spüren einmal mehr, wie sehr uns diese australische Küstenlandschaft gefällt.

Immer wieder wechseln sich solche Orte mit spektakulären Aussichtspunkten ab. Vom Cape Hawke Lookout schweift unser Blick über scheinbar endlose Wälder bis hin zum Meer. Die Küstenlinie verliert sich in der Ferne, und wir bekommen zum ersten Mal ein Gefühl dafür, wie gewaltig dieser Kontinent tatsächlich ist.

Je weiter wir nach Norden fahren, desto entspannter wird unser Rhythmus. Wir haben kein festes Programm, keine Termine, die wir einhalten müssen. Wir fahren, wenn wir Lust haben, halten an, wenn uns etwas gefällt, und bleiben manchmal länger als geplant.

So geht es uns auch am Smoky Cape Lighthouse, dem höchstgelegenen Leuchtturm Australiens. Die Aussicht über die wilde Küste des Hat Head National Parks ist beeindruckend. Wenige Kilometer weiter besuchen wir das historische Trial Bay Gaol, eine Gefängnisruine direkt am Meer. Ende des 19. Jahrhunderts sollten hier Gefangene beim Bau eines geschützten Hafens helfen. Das Projekt wurde nie fertiggestellt, das Gefängnis blieb zurück. Heute stehen die alten Sandsteinmauern vor einer türkisfarbenen Bucht und bilden einen faszinierenden Kontrast zwischen Geschichte und Natur.

Ganz besonders gefällt uns Grassy Beach, ein Ort, der vermutlich nie in einem Reiseführer auf der Titelseite landen wird. Gerade deshalb lieben wir ihn. Der Strand liegt fast verlassen vor uns, die Wellen rollen sanft an den feinen Sand, und für einen Moment haben wir das Gefühl, die Küste ganz für uns allein zu besitzen.

Mit jedem Tag wird das Klima ein wenig wärmer. Die Luft fühlt sich feuchter an, die Vegetation wird üppiger. Am Urunga Boardwalk spazieren wir über lange Holzstege durch Mangroven und Feuchtgebiete bis hinaus zur Flussmündung. Pelikane gleiten lautlos über das Wasser, während die Sonne die Landschaft in warmes Nachmittagslicht taucht.

Ein eher ungewöhnlicher Stopp führt uns zum Honey Place, wo wir verschiedene australische Honigsorten probieren. Wenig später stehen wir am Look At Me Now Headland und beobachten Kängurus, die direkt an den Klippen grasen. Hinter ihnen erstreckt sich der Pazifik bis zum Horizont. Es sind diese unerwarteten Momente, die unsere Reise so besonders machen.

Über kleine Orte wie Sandy Beach, die italienisch geprägte Siedlung New Italy und den wunderschönen Pat Morton Lookout nähern wir uns schließlich einem der bekanntesten Orte Australiens: Byron Bay.

Der Name allein weckt Fernweh. Surfer, Straßenmusiker, alternative Cafés und eine entspannte Atmosphäre prägen das Bild. Natürlich ist Byron Bay längst kein Geheimtipp mehr. Besucher aus aller Welt strömen hierher. Trotzdem besitzt der Ort eine besondere Leichtigkeit. Vom Leuchtturm aus blicken wir über die Küste, beobachten Surfer auf den Wellen und genießen die Stimmung. Es ist leicht nachzuvollziehen, warum viele Reisende deutlich länger bleiben als geplant.

 

Von Byron Bay nach Queensland

Kurz darauf überqueren wir die Grenze nach Queensland. Am Captain Cook Memorial halten wir kurz inne. Immer wieder begegnet uns auf dieser Reise der Name James Cook. Im Jahr 1770 kartierte er die Ostküste Australiens und legte damit den Grundstein für die spätere europäische Besiedlung des Kontinents. Seine Route werden wir in den kommenden Wochen praktisch Schritt für Schritt nachvollziehen.

Die nächste große Station ist die Gold Coast. Schon von weitem sehen wir die Skyline. Hochhäuser wachsen direkt aus den Stränden empor, der Verkehr wird dichter, die Menschenmengen größer. Nach den ruhigen Wochen in Western Australia und Victoria wirkt die Gold Coast auf uns beinahe überwältigend.

Trotzdem verbringen wir hier einen wunderschönen Tag. Freunde aus Deutschland, die seit einiger Zeit hier leben, treffen wir in Burleigh Heads. Gemeinsam verbringen wir den Tag am Strand, erzählen uns von unseren Erlebnissen und genießen die Zeit miteinander.

Danach steht für uns allerdings fest: Brisbane lassen wir aus. Wir haben einfach keine Lust auf Großstadt, Verkehr und Menschenmassen.

 

Strände, Dünen und die Spuren von James Cook

Erst bei Coolum Beach zieht es uns wieder zurück ans Meer. Hier finden wir genau das, wonach wir gesucht haben: Ruhe, Weite und entspannte Küstenorte.

In Noosa Heads erleben wir einen jener Sonnenuntergänge, die man nicht vergisst. Während die Sonne langsam hinter den Hügeln verschwindet, färbt sich der Himmel in Gold-, Orange- und Rosatöne. Die letzten Surfer kommen aus dem Wasser, Familien sitzen am Strand, und wir genießen einfach den Moment.

Weiter nördlich erreichen wir Rainbow Beach, dessen riesige Sanddünen beinahe surreal wirken. Der Wind formt ständig neue Muster in den Sand. Manche Dünen reichen bis direkt ans Meer. Die Landschaft erinnert uns eher an eine Wüste als an die australische Ostküste.

In Maryborough begegnen wir einer überraschenden Geschichte. Die Autorin Pamela Lyndon Travers, die Schöpferin von Mary Poppins, wurde hier geboren. Überall in der Stadt finden sich liebevolle Erinnerungen an die berühmte Kinderbuchfigur. Besonders die Kinder entdecken die Spuren von Mary Poppins mit großer Begeisterung.

Wenig später erreichen wir Bundaberg, wo wir die berühmte Rum-Destillerie besuchen. Die Führung erzählt die Geschichte des Zuckerrohranbaus und der Rumproduktion in Queensland. Natürlich darf auch die berühmte Bundaberg Ginger Beer Brewery nicht fehlen. Die Verkostung gehört zweifellos zu den angenehmsten Programmpunkten des Tages.

Mit jedem Kilometer nach Norden verändert sich die Landschaft weiter. Zuckerrohrplantagen prägen das Bild. Palmen werden häufiger. Die Vegetation wird dichter und tropischer.

Ein besonderer Höhepunkt ist für uns der kleine Ort 1770, der tatsächlich nur aus einer Zahl besteht. Hier betrat James Cook im Jahr 1770 erstmals Queensland. Heute strahlt der Ort eine unglaubliche Ruhe aus. Die Strände sind wunderschön, die Atmosphäre entspannt. Wir verbringen deutlich mehr Zeit hier, als ursprünglich geplant.

 

Tropisches Queensland und die Whitsundays

Weiter nördlich erreichen wir das Dugong Sanctuary bei Rockhampton. Die geschützten Gewässer bieten Lebensraum für Dugongs, jene faszinierenden Seekühe, die zu den seltensten Meeressäugern Australiens gehören. Zwar bekommen wir keine zu Gesicht, doch allein die Landschaft macht den Besuch lohnenswert.

Über die Osterfeiertage schlagen wir unser Lager in Airlie Beach auf. Eigentlich hatten wir geplant, von hier aus zu den berühmten Whitsunday Islands hinauszufahren und dort zu schnorcheln. Doch das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung. Der Wind ist zu stark, die Touren werden abgesagt.

Natürlich sind wir enttäuscht.

Aber Reisen lehrt einen auch, Dinge loszulassen. Nicht alles funktioniert. Nicht jeder Plan geht auf. Und oft entstehen gerade daraus neue Erinnerungen.

 

Magnetic Island

Eine Insel besuchen wir dennoch: Ein weiteres Highlight erwartete uns wenige Tage später vor der Küste von Townsville: Magnetic Island. Schon der Name klingt nach Abenteuer, und tatsächlich besitzt die Insel eine ganz besondere Ausstrahlung. Mit der Fähre setzen wir am Morgen über und lassen das Festland langsam hinter uns zurück. Obwohl Magnetic Island nur wenige Kilometer vor der Küste liegt, fühlt sich die Ankunft an wie ein kleiner Tapetenwechsel.

Die Insel verdankt ihren Namen übrigens James Cook, der im Jahr 1770 glaubte, dort ungewöhnliche magnetische Effekte auf seinen Kompass beobachtet zu haben. Zwar stellte sich später heraus, dass dies wohl ein Irrtum war, der Name blieb jedoch bestehen.

Mit dem Mietwagen erkunden wir verschiedene Buchten und Küstenabschnitte. Schnell fällt uns auf, wie entspannt das Leben hier verläuft. Kleine Orte schmiegen sich an die Hänge, Palmen säumen die Strände, und überall scheint die Zeit ein wenig langsamer zu vergehen. 

Den Tag verbringen wir an den wunderschönen Stränden der Insel, wandern zu einsamen Buchten und genießen einfach das Nichtstun. Das Wasser schimmert in allen Blau- und Türkistönen, die wir inzwischen so sehr mit Australien verbinden. Während wir am Strand sitzen und auf das Meer hinausblicken, wird uns einmal mehr bewusst, wie vielfältig dieser Kontinent ist. Magnetic Island vereint entspannte Inselatmosphäre, spektakuläre Natur und australische Tierwelt auf engstem Raum – und gehört damit für uns zu den schönsten Tagesausflügen unserer Zeit an der Ostküste.

Zurück auf dem Festland geht es weiter Richtung Cairns. Je weiter wir nach Norden kommen, desto tropischer wird die Landschaft. Im Mount Elliot National Park finden wir einen traumhaften Stellplatz mitten in der Natur. Von dort aus setzen wir unsere Reise fort und genießen vom Hinchinbrook Lookout den Blick auf eine der spektakulärsten Inselgruppen Australiens.

Einige Tage verbringen wir anschließend in Mission Beach. Hier erleben wir eines der unerwarteten Highlights unserer Australienreise: Kasuare.

Diese urzeitlich wirkenden Laufvögel gehören zu den seltensten und beeindruckendsten Tieren Australiens. Und tatsächlich laufen mehrere Exemplare direkt über unseren Campingplatz. Nicht irgendwo tief im Regenwald, sondern mitten zwischen Wohnmobilen und Zelten.

Wir sind begeistert.

 

Cairns – Das Tor zum tropischen Norden

Schließlich erreichen wir Cairns.

Nach Wochen im Camper fällt uns der Abschied überraschend leicht. Vielleicht spüren wir bereits, dass wir langsam eine Pause brauchen.

Wir beziehen eine wunderschöne Ferienwohnung direkt am Strand von Trinity Beach, einem ruhigen Vorort nördlich von Cairns. Von hier aus erkunden wir die Region mit einem Mietwagen.

Wir besuchen den Barron Gorge National Park, spazieren durch die üppigen Botanical Gardens von Cairns, verbringen mehrere Stunden im berühmten Cairns Aquarium und erkunden die wunderschönen Atherton Tablelands mit ihren Wasserfällen und Vulkanseen.

Auch Port Douglas gefällt uns ausgesprochen gut. Die entspannte Atmosphäre, die Palmen und die Nähe zum Regenwald machen den Ort zu einem perfekten Ausgangspunkt für weitere Ausflüge.

In der Mossman Gorge tauchen wir schließlich tief in den tropischen Regenwald ein. Es beginnt in Strömen zu regnen. Ein spektakuläres Erlebnis! Riesige Bäume, der reißende Fluss und die Geräusche des Dschungels begleiten uns auf unseren Wanderungen.

 

Daintree – Wo der Regenwald das Meer berührt

Doch unser eigentliches Ziel liegt noch weiter nördlich.

Über den spektakulären Great Barrier Drive erreichen wir den Daintree River. Mit einer kleinen Fähre setzen wir über. Schon die Überfahrt fühlt sich an wie der Übergang in eine andere Welt.

Auf der anderen Seite beginnt der Daintree National Park.

Der Daintree-Regenwald gilt als der älteste tropische Regenwald der Erde. Manche Wissenschaftler gehen davon aus, dass seine Ursprünge mehr als 180 Millionen Jahre zurückreichen. Viele Pflanzenarten existierten bereits lange bevor die Dinosaurier ausstarben.

Wir wohnen in einer kleinen Dschungel-Lodge mitten im Regenwald. Nachts lauschen wir den Geräuschen des Waldes. Frösche, Insekten, Vögel – überall Leben.

Tagsüber erkunden wir den Nationalpark. Im Daintree Discovery Centre erfahren wir viel über dieses einzigartige Ökosystem. Über zahlreiche Boardwalks wandern wir durch Mangrovenwälder und dichten Regenwald.

Der Höhepunkt ist jedoch ohne Zweifel Cape Tribulation.

Hier trifft der älteste Regenwald der Erde auf das Great Barrier Reef. Dschungel reicht bis direkt an den Strand. Hinter uns dichter Wald. Vor uns der Pazifik. Es ist einer dieser Orte, die beinahe unwirklich erscheinen.

 

Zeit für eine Pause

Nach einigen Tagen im Daintree wird uns bewusst, dass unsere Zeit in Australien zu Ende geht.

Wir fahren zurück nach Cairns, geben den Mietwagen ab und sitzen wenig später am Flughafen.

Vor uns liegt der Flug über Singapur nach Da Nang.

Und ja – wir kehren zurück nach Vietnam.

Nicht, weil Australien uns nicht gefallen hätte. Ganz im Gegenteil. Australien war eines der intensivsten und schönsten Kapitel unserer Reise. Die Weite, die Menschen, die Landschaften und die Freiheit des Campens werden uns noch lange begleiten.

Doch nach vielen Monaten auf Achse spüren wir alle dasselbe: Wir sind reisemüde geworden. Nicht erschöpft. Nicht überdrüssig.- Aber satt an Eindrücken.

Wir sehnen uns nach einem Ort, an dem wir nicht jeden zweiten Tag unsere Taschen packen müssen. Nach vertrauten Gesichtern. Nach Freunden. Nach einem Alltag, der keiner sein muss und sich trotzdem vertraut anfühlt.

Und deshalb fliegen wir zurück nach Hoi An.

Dorthin, wo wir bereits einmal angekommen sind. Dorthin, wo Freunde auf uns warten.

Dorthin, wo sich diese Weltreise für eine Weile weniger wie Reisen und mehr wie Leben anfühlen darf.