Australien

Roadtrip durch Western Australia - Teil 3

Von Esperance nach Perth – Küstenträume und Urzeitwälder in Western Australia

Great Ocean Drive

Es ist Zeit, Esperance hinter uns zu lassen. Und doch tun wir es nicht sofort. Bevor wir den langen Weg zurück nach Westen antreten, fahren wir noch einmal hinaus – auf den Great Ocean Drive, jene rund 40 Kilometer lange Panoramastraße, die sich wie ein türkisfarbenes Versprechen um die Küste südlich von Esperance legt.

Der Great Ocean Drive ist kein Geheimtipp, sondern ein Klassiker. Und genau das spürt man. Hier sind deutlich mehr Menschen unterwegs als in Cape Le Grand, wo wir in den vergangenen Tagen die Einsamkeit beinahe für uns allein hatten. Vielleicht genießen wir die Küste deshalb noch bewusster – wissend, dass wir das wilde, stille Paradies bereits erlebt haben.

Wir halten an Twilight Beach, wo sich ein markanter Felsen – der „Jump Rock“ – sanft aus der geschützten Bucht erhebt. Kinder springen lachend ins glasklare Wasser, während das Meer in allen Schattierungen zwischen Aquamarin und tiefem Blau leuchtet. Weiter geht es zu Nine Mile Beach, Ten Mile Beach und Eleven Mile Beach – endlose Bögen aus schneeweißem Sand, die sich scheinbar unendlich am Horizont verlieren.

An der Nine Mile Lagoon bleiben wir länger stehen. Das Wasser ist ruhig, fast spiegelglatt. Von oben erkennen wir dunkle Schatten im Flachwasser – Rochen, die gemächlich über den sandigen Grund gleiten, und weiter draußen auch Haie, ruhig und selbstbewusst, als gehörte ihnen dieser Ozean. Was vermutlich auch stimmt.

Ein letzter Stopp führt uns zum Pink Lake. Oder besser gesagt: zum ehemaligen Pink Lake. Einst schimmerte der See tatsächlich rosafarben, verursacht durch salzliebende Mikroorganismen und Algen, die Beta-Carotin produzieren. Doch durch veränderte Salzkonzentrationen infolge menschlicher Eingriffe verlor der See seine charakteristische Färbung. Heute liegt er blass und unscheinbar in der Landschaft – ein leiser Hinweis darauf, wie empfindlich selbst spektakuläre Naturphänomene sind.

Mit all diesen Bildern im Kopf – weißer Sand, rundgeschliffene Granitfelsen, türkises Wasser – treten wir den langen Rückweg an. Der Abstecher nach Esperance und Cape Le Grand war jede einzelne Stunde wert. Doch er bedeutet auch Strecke. Viel Strecke.

Im Osten beginnt die endlose Nullarbor-Ebene – tausende Kilometer nahezu vegetationslose Weite. Also heißt es für uns: umkehren. Zurück nach Westen.

Die Landschaft wird monoton. Buschland, Himmel, Straße. Der Horizont flimmert in der Hitze. Wir fahren, so weit wir können, schaffen an diesem Tag knapp 300 Kilometer und landen schließlich auf einem kleinen Campground in Jerramungup. Ein Barbecue unter freiem Himmel, ein paar neugierige Kängurus in der Abenddämmerung – und wir fallen müde in unsere Betten.

 

Albany & der Torndirrup Nationalpark

Am nächsten Morgen brechen wir nach einem ruhigen Frühstück auf. Wieder liegt eine lange Strecke vor uns. Unser erstes Ziel nach rund 200 Kilometern ist Whalers Cove bei Albany.

Hier befand sich eine der letzten aktiven Walfangstationen Australiens. Bis in die 1970er Jahre wurden in Albany noch Pott- und Buckelwale verarbeitet. Heute ist die ehemalige Station ein Museum, das die industrielle Walfanggeschichte dokumentiert – nüchtern, informativ, ohne Verklärung. Es ist gut, dass diese Zeit vorbei ist. Heute gelten Wale als schützenswerte Giganten der Meere.

Whalers Beach liegt da wie gemalt: feinster weißer Sand, türkisfarbenes Wasser, mächtige Granitblöcke, vom Meer rund geschliffen. Unweit des Strandes entspringen die Vancouver Springs, eine der wenigen Süßwasserquellen dieser Region.

Weiter geht es nach Misery Beach, einer kleinen geschützten Bucht mit fast karibischem Flair, und zum Salmon Beach, bekannt für seine Lachszüge entlang der Küste. Hier wirkt alles friedlich, ein paar Angler versuchen ihr Glück.

Doch im Südwesten des Torndirrup Nationalparks ändert sich die Stimmung schlagartig. Die Landschaft wird schroff, rau, beinahe dramatisch. Hier verläuft die geologische Bruchkante, an der sich Australien vor etwa 100 Millionen Jahren von der Antarktis löste. Gewaltige Felsformationen zeugen noch heute von dieser Trennung.

Wir stehen auf dem Skywalk über The Gap, einem tief eingeschnittenen Felsspalt, in den das Meer mit brachialer Wucht hineindrückt. Daneben die Natural Bridge, ein steinerner Bogen, den Wind und Wasser über Jahrtausende geformt haben. Es fühlt sich ein wenig an wie Island – nur wärmer.

Die Blowholes bilden den Abschluss unseres Besuchs im Torndirrup NP. Blowholes entstehen, wenn Wellen durch unterirdische Höhlensysteme gepresst werden und Wasser sowie Luft explosionsartig durch schmale Öffnungen nach oben schießen. Jedes Mal, wenn eine Woge hineindrückt, donnert es wie ein entferntes Gewitter. Man zuckt unweigerlich zusammen.

Ein weiteres Mal sind wir froh über unseren Nationalpark-Pass: Statt jedes Mal 17 AUD Eintritt zu zahlen, hat uns der Vier-Wochen-Pass einmalig 70 AUD gekostet – eine Entscheidung, die sich längst gelohnt hat.

Bevor wir Albany endgültig hinter uns lassen, müssen wir noch das tun, was auf einem Roadtrip durch Western Australia genauso dazugehört wie atemberaubende Landschaften: einkaufen, tanken, Wasser auffüllen, Abwasser entsorgen. Es ist bereits Abend, als wir endlich fertig sind. Zum Glück entdecken wir etwa dreißig Minuten westlich von Albany den Cosy Corner Campground. Der Name ist Programm: ein geschützter Platz zwischen Küste und Buschland, wo der Wind durch die niedrigen Bäume rauscht und das Meer nicht weit entfernt ist. Obwohl der Campground gut gefüllt ist, findet sich noch ein Platz für uns. Zwischen Vans und Zelten schlagen wir für eine Nacht unser Lager auf, kochen im letzten Licht des Tages und schlafen einmal mehr begleitet vom Meeresrauschen ein.

Am nächsten Morgen wartet schon das nächste Highlight auf uns. Nur eine gute Stunde entfernt, nahe dem kleinen Ort Denmark, liegen Elephant Rocks und Greens Pool, zwei dieser Orte, die man kaum beschreiben kann, ohne ins Schwärmen zu geraten.

Die Elephant Rocks machen ihrem Namen alle Ehre: riesige, rundgeschliffene Granitfelsen liegen wie eine Herde badender Elefanten im türkisfarbenen Wasser. Zwischen ihnen bildet sich eine geschützte Lagune, so klar und ruhig, dass man bis auf den hellen Sandboden sehen kann. Gleich nebenan liegt Greens Pool – eine natürliche Badebucht, eingerahmt von gewaltigen Granitblöcken, die die Wellen des Südlichen Ozeans brechen und das Wasser in sanften Bewegungen ans Ufer rollen lassen.

 

Valley of the Giants – zwischen Himmel und Jahrtausenden

Hinter Denmark verändert sich die Landschaft erneut. Die Luft wird feuchter, dichter, kühler. Und dann stehen wir plötzlich vor einem Wald, der nicht einfach nur Wald ist – sondern eine eigene Welt.

Das Valley of the Giants wirkt wie eine Kathedrale aus Holz und Licht. Hier wachsen die berühmten Red Tingle Trees (Eucalyptus jacksonii), eine Baumart, die ausschließlich in dieser Region im Südwesten Western Australias vorkommt. Einige dieser Giganten sind über 400 Jahre alt, erreichen Höhen von 60 bis 75 Metern und besitzen einen Stamm von bis zu 16 Metern Umfang. Manche Stämme sind im Inneren vollständig ausgehöhlt – nicht abgestorben, sondern lebendig, widerstandsfähig, regenerierend.

Wir beginnen unseren Rundgang auf dem Ancient Empire Walk, einem Pfad am Waldboden, der uns zwischen diesen Riesen hindurchführt. Die Stämme sind so massiv, dass man in ihre ausgehöhlten Sockel hineingehen kann. Wir stehen im Inneren eines Baumes – und fühlen uns winzig. Die Rinde ist rau, warm, strukturiert wie eine Landschaft für sich. Über uns verschwindet der Stamm im dichten Blätterdach. Licht fällt in schmalen Bahnen herab, Staubpartikel tanzen darin wie winzige Sterne.

Dieser Wald hat etwas Zeitloses. Er steht hier seit Jahrhunderten, hat Stürme überlebt, Feuer, Klimaveränderungen. Und wir sind nur für einen Moment Teil davon.

Dann folgt der Perspektivwechsel: der Tree Top Walk.

Ein 550 Meter langer Rundweg aus filigranen Stahlkonstruktionen führt uns in bis zu 40 Meter Höhe – direkt hinein in die Baumkronen. Die Stege hängen frei zwischen den Tingles, sie bewegen sich leicht mit dem Wind. Es ist kein starres Bauwerk, sondern eines, das mit dem Wald lebt. Unter uns der Waldboden, tief und fern. Über uns noch immer Äste und Blätter, die selbst diese Höhe überragen.

Wir gehen langsam. Spüren das leichte Schwanken. Bleiben stehen, um in die Ferne zu blicken. Von oben erkennt man erst die Dimension dieses Ökosystems – das Zusammenspiel aus uralten Stämmen, dichtem Unterholz und dem weiten Himmel darüber.

Es ist ein Erlebnis, das Ehrfurcht auslöst. Und weil wir nicht genug bekommen können, gehen wir die Runde gleich ein zweites Mal. Das Ticket erlaubt es – und wir nutzen es. Beim zweiten Durchgang achten wir auf Details: das Knarren der Konstruktion, den Geruch des Eukalyptus, das Licht, das sich verändert.

Voll dieser Eindrücke verlassen wir das Valley of the Giants mit dem Gefühl, etwas wirklich Einzigartiges erlebt zu haben.

 

Letzte Tage am Meer

Unsere letzte Nacht im Wald verbringen wir im Shannon Nationalpark, auf einem ehemaligen Holzfällergelände, das heute ein Campground ist. Wir sind die einzigen Gäste. Abends heizen wir den Wasserkessel im Waschhäuschen mit Holz, genießen eine warme Dusche und die absolute Stille.

Am nächsten Tag fahren wir weiter nach Busselton. Die Stadt ist bekannt für ihre 1,8 Kilometer lange Busselton Jetty, die längste hölzerne Seebrücke der südlichen Hemisphäre. Sie ragt weit in den Indischen Ozean hinein, am Ende befindet sich sogar ein Unterwasser-Observatorium. Daneben liegt eine liebevoll gestaltete Parkanlage mit BBQ-Plätzen, Spielplätzen und schattigen Bäumen.

Wir sitzen einfach nur da. Planschen im Wasser. Atmen durch.

Unser letzter Sonnenuntergang erwartet uns am Preston Beach, wo wir direkt hinter den Dünen campen. Während die Sonne im Indischen Ozean versinkt, tauchen plötzlich zwei Rückenflossen nahe am Ufer auf. Haie. Ein letzter Gruß von Western Australia.

Am nächsten Morgen geben wir unseren Camper zurück. Ein neues Kapitel beginnt. Über HomeExchange wartet ein Haus in Perth auf uns. Und wir sind bereit für das, was kommt.

Australien

Freiheit, Weite und Abenteuer am anderen Ende der Welt

Australien ist kein Reiseziel. Es ist ein Gefühl.

Weite Landschaften, spektakuläre Küsten, rote Wüsten, türkisfarbene Riffe und eine Tierwelt, die es so nur hier gibt – wer einmal dort war, versteht, warum viele Reisende sagen: Australien verändert dich.

Auf wirreisenjetzt.de nehmen wir dich mit auf diesen besonderen Kontinent. In unseren Blogartikeln zeigen wir dir, wie vielfältig, familienfreundlich und überraschend entspannt eine Australienreise sein kann.

Warum Australien eine Reise fürs Leben ist

Australien verbindet Dinge, die sonst kaum zusammenpassen:

  • Moderne Metropolen und menschenleere Natur
  • Traumstrände und Outback-Abenteuer
  • Surfer-Vibes und Weltkulturerbe
  • Tierbegegnungen in freier Wildbahn

Von ikonischen Orten wie dem Sydney Opera House über das legendäre Great Barrier Reef bis hin zu den endlosen Weiten des Outbacks – jede Region erzählt ihre eigene Geschichte.

Und genau diese Vielfalt macht Australien so besonders.

 

Natur, die sprachlos macht

Australien ist ein Paradies für Naturfans:

  • Sonnenuntergang am Uluru
  • Die spektakuläre Great Ocean Road
  • Das schneeweiße Sandparadies Whitehaven Beach
  • Unberührte Wildnis in Tasmanien
  • Dramatische Küsten in Western Australia

Hier spürst du Weite. Freiheit. Und eine Ruhe, die im Alltag oft fehlt.

 

Kinder und Kängurus

Tierwelt hautnah erleben

Australien ist eines der wenigen Länder, in denen Tierbeobachtungen fast selbstverständlich dazugehören:

  • Kängurus am Straßenrand
  • Koalas in Eukalyptusbäumen
  • Schildkröten beim Schnorcheln
  • Wale entlang der Küste

Gerade für Familien wird eine Australienreise dadurch zu einem echten Erlebnis – authentisch, lehrreich und emotional.

 

Roadtrip durch Australien – das ultimative Abenteuer

Australien ist wie gemacht für Roadtrips. Breite Straßen, wenig Verkehr, gute Infrastruktur und spektakuläre Routen laden dazu ein, das Land flexibel zu entdecken.

Ob mit Camper oder Mietwagen – eine Reise durch Australien bedeutet:

  • Anhalten, wo es schön ist
  • Spontane Strandstopps
  • Sonnenuntergänge mitten im Nirgendwo
  • Sternenhimmel ohne Lichtverschmutzung

In unseren Blogartikeln zu unseren Australien-Reisen zeigen wir dir konkrete Routen, familienfreundliche Stopps, Geheimtipps und praktische Planungshilfen.

Australien mit Kindern – entspannter als gedacht

Viele Familien fragen sich: Ist Australien mit Kindern machbar?
Unsere klare Antwort: Ja – und wie!

Australien bietet:

  • Sichere Strände

  • Kinderfreundliche Städte

  • Naturerlebnisse ohne lange Wanderungen
  • Eine entspannte, offene Kultur

In unseren Blogbeiträgen findest du Inspiration für Familienrouten, Erfahrungsberichte und praktische Tipps aus erster Hand.

 

Lass dich inspirieren

Australien ist groß. Viel größer, als man auf einer Karte erahnt.
Und genau deshalb lohnt es sich, gut zu planen – und sich gleichzeitig treiben zu lassen.

Auf wirreisenjetzt.de findest du:

✔ Detaillierte Reiseberichte
✔ Familienfreundliche Routenvorschläge
✔ Tipps für Roadtrips und Camperreisen
✔ Inspiration für verschiedene Regionen Australiens
✔ Praktische Planungshilfen

Wenn du von weiten Horizonten träumst, von Lagerfeuer-Momenten, von barfuß am Strand und Abenteuern unter dem Sternenhimmel – dann stöbere durch unsere Australien-Artikel und beginne deine eigene Reiseplanung.

Australien wartet. 🌏

Roadtrip durch Western Australia - Teil 3

Von Esperance nach Perth – Küstenträume und Urzeitwälder in Western Australia

Great Ocean Drive

Es ist Zeit, Esperance hinter uns zu lassen. Und doch tun wir es nicht sofort. Bevor wir den langen Weg zurück nach Westen antreten, fahren wir noch einmal hinaus – auf den Great Ocean Drive, jene rund 40 Kilometer lange Panoramastraße, die sich wie ein türkisfarbenes Versprechen um die Küste südlich von Esperance legt.

Der Great Ocean Drive ist kein Geheimtipp, sondern ein Klassiker. Und genau das spürt man. Hier sind deutlich mehr Menschen unterwegs als in Cape Le Grand, wo wir in den vergangenen Tagen die Einsamkeit beinahe für uns allein hatten. Vielleicht genießen wir die Küste deshalb noch bewusster – wissend, dass wir das wilde, stille Paradies bereits erlebt haben.

Wir halten an Twilight Beach, wo sich ein markanter Felsen – der „Jump Rock“ – sanft aus der geschützten Bucht erhebt. Kinder springen lachend ins glasklare Wasser, während das Meer in allen Schattierungen zwischen Aquamarin und tiefem Blau leuchtet. Weiter geht es zu Nine Mile Beach, Ten Mile Beach und Eleven Mile Beach – endlose Bögen aus schneeweißem Sand, die sich scheinbar unendlich am Horizont verlieren.

An der Nine Mile Lagoon bleiben wir länger stehen. Das Wasser ist ruhig, fast spiegelglatt. Von oben erkennen wir dunkle Schatten im Flachwasser – Rochen, die gemächlich über den sandigen Grund gleiten, und weiter draußen auch Haie, ruhig und selbstbewusst, als gehörte ihnen dieser Ozean. Was vermutlich auch stimmt.

Ein letzter Stopp führt uns zum Pink Lake. Oder besser gesagt: zum ehemaligen Pink Lake. Einst schimmerte der See tatsächlich rosafarben, verursacht durch salzliebende Mikroorganismen und Algen, die Beta-Carotin produzieren. Doch durch veränderte Salzkonzentrationen infolge menschlicher Eingriffe verlor der See seine charakteristische Färbung. Heute liegt er blass und unscheinbar in der Landschaft – ein leiser Hinweis darauf, wie empfindlich selbst spektakuläre Naturphänomene sind.

Mit all diesen Bildern im Kopf – weißer Sand, rundgeschliffene Granitfelsen, türkises Wasser – treten wir den langen Rückweg an. Der Abstecher nach Esperance und Cape Le Grand war jede einzelne Stunde wert. Doch er bedeutet auch Strecke. Viel Strecke.

Im Osten beginnt die endlose Nullarbor-Ebene – tausende Kilometer nahezu vegetationslose Weite. Also heißt es für uns: umkehren. Zurück nach Westen.

Die Landschaft wird monoton. Buschland, Himmel, Straße. Der Horizont flimmert in der Hitze. Wir fahren, so weit wir können, schaffen an diesem Tag knapp 300 Kilometer und landen schließlich auf einem kleinen Campground in Jerramungup. Ein Barbecue unter freiem Himmel, ein paar neugierige Kängurus in der Abenddämmerung – und wir fallen müde in unsere Betten.

 

Albany & der Torndirrup Nationalpark

Am nächsten Morgen brechen wir nach einem ruhigen Frühstück auf. Wieder liegt eine lange Strecke vor uns. Unser erstes Ziel nach rund 200 Kilometern ist Whalers Cove bei Albany.

Hier befand sich eine der letzten aktiven Walfangstationen Australiens. Bis in die 1970er Jahre wurden in Albany noch Pott- und Buckelwale verarbeitet. Heute ist die ehemalige Station ein Museum, das die industrielle Walfanggeschichte dokumentiert – nüchtern, informativ, ohne Verklärung. Es ist gut, dass diese Zeit vorbei ist. Heute gelten Wale als schützenswerte Giganten der Meere.

Whalers Beach liegt da wie gemalt: feinster weißer Sand, türkisfarbenes Wasser, mächtige Granitblöcke, vom Meer rund geschliffen. Unweit des Strandes entspringen die Vancouver Springs, eine der wenigen Süßwasserquellen dieser Region.

Weiter geht es nach Misery Beach, einer kleinen geschützten Bucht mit fast karibischem Flair, und zum Salmon Beach, bekannt für seine Lachszüge entlang der Küste. Hier wirkt alles friedlich, ein paar Angler versuchen ihr Glück.

Doch im Südwesten des Torndirrup Nationalparks ändert sich die Stimmung schlagartig. Die Landschaft wird schroff, rau, beinahe dramatisch. Hier verläuft die geologische Bruchkante, an der sich Australien vor etwa 100 Millionen Jahren von der Antarktis löste. Gewaltige Felsformationen zeugen noch heute von dieser Trennung.

Wir stehen auf dem Skywalk über The Gap, einem tief eingeschnittenen Felsspalt, in den das Meer mit brachialer Wucht hineindrückt. Daneben die Natural Bridge, ein steinerner Bogen, den Wind und Wasser über Jahrtausende geformt haben. Es fühlt sich ein wenig an wie Island – nur wärmer.

Die Blowholes bilden den Abschluss unseres Besuchs im Torndirrup NP. Blowholes entstehen, wenn Wellen durch unterirdische Höhlensysteme gepresst werden und Wasser sowie Luft explosionsartig durch schmale Öffnungen nach oben schießen. Jedes Mal, wenn eine Woge hineindrückt, donnert es wie ein entferntes Gewitter. Man zuckt unweigerlich zusammen.

Ein weiteres Mal sind wir froh über unseren Nationalpark-Pass: Statt jedes Mal 17 AUD Eintritt zu zahlen, hat uns der Vier-Wochen-Pass einmalig 70 AUD gekostet – eine Entscheidung, die sich längst gelohnt hat.

Bevor wir Albany endgültig hinter uns lassen, müssen wir noch das tun, was auf einem Roadtrip durch Western Australia genauso dazugehört wie atemberaubende Landschaften: einkaufen, tanken, Wasser auffüllen, Abwasser entsorgen. Es ist bereits Abend, als wir endlich fertig sind. Zum Glück entdecken wir etwa dreißig Minuten westlich von Albany den Cosy Corner Campground. Der Name ist Programm: ein geschützter Platz zwischen Küste und Buschland, wo der Wind durch die niedrigen Bäume rauscht und das Meer nicht weit entfernt ist. Obwohl der Campground gut gefüllt ist, findet sich noch ein Platz für uns. Zwischen Vans und Zelten schlagen wir für eine Nacht unser Lager auf, kochen im letzten Licht des Tages und schlafen einmal mehr begleitet vom Meeresrauschen ein.

Am nächsten Morgen wartet schon das nächste Highlight auf uns. Nur eine gute Stunde entfernt, nahe dem kleinen Ort Denmark, liegen Elephant Rocks und Greens Pool, zwei dieser Orte, die man kaum beschreiben kann, ohne ins Schwärmen zu geraten.

Die Elephant Rocks machen ihrem Namen alle Ehre: riesige, rundgeschliffene Granitfelsen liegen wie eine Herde badender Elefanten im türkisfarbenen Wasser. Zwischen ihnen bildet sich eine geschützte Lagune, so klar und ruhig, dass man bis auf den hellen Sandboden sehen kann. Gleich nebenan liegt Greens Pool – eine natürliche Badebucht, eingerahmt von gewaltigen Granitblöcken, die die Wellen des Südlichen Ozeans brechen und das Wasser in sanften Bewegungen ans Ufer rollen lassen.

 

Valley of the Giants – zwischen Himmel und Jahrtausenden

Hinter Denmark verändert sich die Landschaft erneut. Die Luft wird feuchter, dichter, kühler. Und dann stehen wir plötzlich vor einem Wald, der nicht einfach nur Wald ist – sondern eine eigene Welt.

Das Valley of the Giants wirkt wie eine Kathedrale aus Holz und Licht. Hier wachsen die berühmten Red Tingle Trees (Eucalyptus jacksonii), eine Baumart, die ausschließlich in dieser Region im Südwesten Western Australias vorkommt. Einige dieser Giganten sind über 400 Jahre alt, erreichen Höhen von 60 bis 75 Metern und besitzen einen Stamm von bis zu 16 Metern Umfang. Manche Stämme sind im Inneren vollständig ausgehöhlt – nicht abgestorben, sondern lebendig, widerstandsfähig, regenerierend.

Wir beginnen unseren Rundgang auf dem Ancient Empire Walk, einem Pfad am Waldboden, der uns zwischen diesen Riesen hindurchführt. Die Stämme sind so massiv, dass man in ihre ausgehöhlten Sockel hineingehen kann. Wir stehen im Inneren eines Baumes – und fühlen uns winzig. Die Rinde ist rau, warm, strukturiert wie eine Landschaft für sich. Über uns verschwindet der Stamm im dichten Blätterdach. Licht fällt in schmalen Bahnen herab, Staubpartikel tanzen darin wie winzige Sterne.

Dieser Wald hat etwas Zeitloses. Er steht hier seit Jahrhunderten, hat Stürme überlebt, Feuer, Klimaveränderungen. Und wir sind nur für einen Moment Teil davon.

Dann folgt der Perspektivwechsel: der Tree Top Walk.

Ein 550 Meter langer Rundweg aus filigranen Stahlkonstruktionen führt uns in bis zu 40 Meter Höhe – direkt hinein in die Baumkronen. Die Stege hängen frei zwischen den Tingles, sie bewegen sich leicht mit dem Wind. Es ist kein starres Bauwerk, sondern eines, das mit dem Wald lebt. Unter uns der Waldboden, tief und fern. Über uns noch immer Äste und Blätter, die selbst diese Höhe überragen.

Wir gehen langsam. Spüren das leichte Schwanken. Bleiben stehen, um in die Ferne zu blicken. Von oben erkennt man erst die Dimension dieses Ökosystems – das Zusammenspiel aus uralten Stämmen, dichtem Unterholz und dem weiten Himmel darüber.

Es ist ein Erlebnis, das Ehrfurcht auslöst. Und weil wir nicht genug bekommen können, gehen wir die Runde gleich ein zweites Mal. Das Ticket erlaubt es – und wir nutzen es. Beim zweiten Durchgang achten wir auf Details: das Knarren der Konstruktion, den Geruch des Eukalyptus, das Licht, das sich verändert.

Voll dieser Eindrücke verlassen wir das Valley of the Giants mit dem Gefühl, etwas wirklich Einzigartiges erlebt zu haben.

 

Letzte Tage am Meer

Unsere letzte Nacht im Wald verbringen wir im Shannon Nationalpark, auf einem ehemaligen Holzfällergelände, das heute ein Campground ist. Wir sind die einzigen Gäste. Abends heizen wir den Wasserkessel im Waschhäuschen mit Holz, genießen eine warme Dusche und die absolute Stille.

Am nächsten Tag fahren wir weiter nach Busselton. Die Stadt ist bekannt für ihre 1,8 Kilometer lange Busselton Jetty, die längste hölzerne Seebrücke der südlichen Hemisphäre. Sie ragt weit in den Indischen Ozean hinein, am Ende befindet sich sogar ein Unterwasser-Observatorium. Daneben liegt eine liebevoll gestaltete Parkanlage mit BBQ-Plätzen, Spielplätzen und schattigen Bäumen.

Wir sitzen einfach nur da. Planschen im Wasser. Atmen durch.

Unser letzter Sonnenuntergang erwartet uns am Preston Beach, wo wir direkt hinter den Dünen campen. Während die Sonne im Indischen Ozean versinkt, tauchen plötzlich zwei Rückenflossen nahe am Ufer auf. Haie. Ein letzter Gruß von Western Australia.

Am nächsten Morgen geben wir unseren Camper zurück. Ein neues Kapitel beginnt. Über HomeExchange wartet ein Haus in Perth auf uns. Und wir sind bereit für das, was kommt.

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Roadtrip durch Western Australia - Teil 3

Von Esperance nach Perth – Küstenträume und Urzeitwälder in Western Australia

Great Ocean Drive

Es ist Zeit, Esperance hinter uns zu lassen. Und doch tun wir es nicht sofort. Bevor wir den langen Weg zurück nach Westen antreten, fahren wir noch einmal hinaus – auf den Great Ocean Drive, jene rund 40 Kilometer lange Panoramastraße, die sich wie ein türkisfarbenes Versprechen um die Küste südlich von Esperance legt.

Der Great Ocean Drive ist kein Geheimtipp, sondern ein Klassiker. Und genau das spürt man. Hier sind deutlich mehr Menschen unterwegs als in Cape Le Grand, wo wir in den vergangenen Tagen die Einsamkeit beinahe für uns allein hatten. Vielleicht genießen wir die Küste deshalb noch bewusster – wissend, dass wir das wilde, stille Paradies bereits erlebt haben.

Wir halten an Twilight Beach, wo sich ein markanter Felsen – der „Jump Rock“ – sanft aus der geschützten Bucht erhebt. Kinder springen lachend ins glasklare Wasser, während das Meer in allen Schattierungen zwischen Aquamarin und tiefem Blau leuchtet. Weiter geht es zu Nine Mile Beach, Ten Mile Beach und Eleven Mile Beach – endlose Bögen aus schneeweißem Sand, die sich scheinbar unendlich am Horizont verlieren.

An der Nine Mile Lagoon bleiben wir länger stehen. Das Wasser ist ruhig, fast spiegelglatt. Von oben erkennen wir dunkle Schatten im Flachwasser – Rochen, die gemächlich über den sandigen Grund gleiten, und weiter draußen auch Haie, ruhig und selbstbewusst, als gehörte ihnen dieser Ozean. Was vermutlich auch stimmt.

Ein letzter Stopp führt uns zum Pink Lake. Oder besser gesagt: zum ehemaligen Pink Lake. Einst schimmerte der See tatsächlich rosafarben, verursacht durch salzliebende Mikroorganismen und Algen, die Beta-Carotin produzieren. Doch durch veränderte Salzkonzentrationen infolge menschlicher Eingriffe verlor der See seine charakteristische Färbung. Heute liegt er blass und unscheinbar in der Landschaft – ein leiser Hinweis darauf, wie empfindlich selbst spektakuläre Naturphänomene sind.

Mit all diesen Bildern im Kopf – weißer Sand, rundgeschliffene Granitfelsen, türkises Wasser – treten wir den langen Rückweg an. Der Abstecher nach Esperance und Cape Le Grand war jede einzelne Stunde wert. Doch er bedeutet auch Strecke. Viel Strecke.

Im Osten beginnt die endlose Nullarbor-Ebene – tausende Kilometer nahezu vegetationslose Weite. Also heißt es für uns: umkehren. Zurück nach Westen.

Die Landschaft wird monoton. Buschland, Himmel, Straße. Der Horizont flimmert in der Hitze. Wir fahren, so weit wir können, schaffen an diesem Tag knapp 300 Kilometer und landen schließlich auf einem kleinen Campground in Jerramungup. Ein Barbecue unter freiem Himmel, ein paar neugierige Kängurus in der Abenddämmerung – und wir fallen müde in unsere Betten.

 

Albany & der Torndirrup Nationalpark

Am nächsten Morgen brechen wir nach einem ruhigen Frühstück auf. Wieder liegt eine lange Strecke vor uns. Unser erstes Ziel nach rund 200 Kilometern ist Whalers Cove bei Albany.

Hier befand sich eine der letzten aktiven Walfangstationen Australiens. Bis in die 1970er Jahre wurden in Albany noch Pott- und Buckelwale verarbeitet. Heute ist die ehemalige Station ein Museum, das die industrielle Walfanggeschichte dokumentiert – nüchtern, informativ, ohne Verklärung. Es ist gut, dass diese Zeit vorbei ist. Heute gelten Wale als schützenswerte Giganten der Meere.

Whalers Beach liegt da wie gemalt: feinster weißer Sand, türkisfarbenes Wasser, mächtige Granitblöcke, vom Meer rund geschliffen. Unweit des Strandes entspringen die Vancouver Springs, eine der wenigen Süßwasserquellen dieser Region.

Weiter geht es nach Misery Beach, einer kleinen geschützten Bucht mit fast karibischem Flair, und zum Salmon Beach, bekannt für seine Lachszüge entlang der Küste. Hier wirkt alles friedlich, ein paar Angler versuchen ihr Glück.

Doch im Südwesten des Torndirrup Nationalparks ändert sich die Stimmung schlagartig. Die Landschaft wird schroff, rau, beinahe dramatisch. Hier verläuft die geologische Bruchkante, an der sich Australien vor etwa 100 Millionen Jahren von der Antarktis löste. Gewaltige Felsformationen zeugen noch heute von dieser Trennung.

Wir stehen auf dem Skywalk über The Gap, einem tief eingeschnittenen Felsspalt, in den das Meer mit brachialer Wucht hineindrückt. Daneben die Natural Bridge, ein steinerner Bogen, den Wind und Wasser über Jahrtausende geformt haben. Es fühlt sich ein wenig an wie Island – nur wärmer.

Die Blowholes bilden den Abschluss unseres Besuchs im Torndirrup NP. Blowholes entstehen, wenn Wellen durch unterirdische Höhlensysteme gepresst werden und Wasser sowie Luft explosionsartig durch schmale Öffnungen nach oben schießen. Jedes Mal, wenn eine Woge hineindrückt, donnert es wie ein entferntes Gewitter. Man zuckt unweigerlich zusammen.

Ein weiteres Mal sind wir froh über unseren Nationalpark-Pass: Statt jedes Mal 17 AUD Eintritt zu zahlen, hat uns der Vier-Wochen-Pass einmalig 70 AUD gekostet – eine Entscheidung, die sich längst gelohnt hat.

Bevor wir Albany endgültig hinter uns lassen, müssen wir noch das tun, was auf einem Roadtrip durch Western Australia genauso dazugehört wie atemberaubende Landschaften: einkaufen, tanken, Wasser auffüllen, Abwasser entsorgen. Es ist bereits Abend, als wir endlich fertig sind. Zum Glück entdecken wir etwa dreißig Minuten westlich von Albany den Cosy Corner Campground. Der Name ist Programm: ein geschützter Platz zwischen Küste und Buschland, wo der Wind durch die niedrigen Bäume rauscht und das Meer nicht weit entfernt ist. Obwohl der Campground gut gefüllt ist, findet sich noch ein Platz für uns. Zwischen Vans und Zelten schlagen wir für eine Nacht unser Lager auf, kochen im letzten Licht des Tages und schlafen einmal mehr begleitet vom Meeresrauschen ein.

Am nächsten Morgen wartet schon das nächste Highlight auf uns. Nur eine gute Stunde entfernt, nahe dem kleinen Ort Denmark, liegen Elephant Rocks und Greens Pool, zwei dieser Orte, die man kaum beschreiben kann, ohne ins Schwärmen zu geraten.

Die Elephant Rocks machen ihrem Namen alle Ehre: riesige, rundgeschliffene Granitfelsen liegen wie eine Herde badender Elefanten im türkisfarbenen Wasser. Zwischen ihnen bildet sich eine geschützte Lagune, so klar und ruhig, dass man bis auf den hellen Sandboden sehen kann. Gleich nebenan liegt Greens Pool – eine natürliche Badebucht, eingerahmt von gewaltigen Granitblöcken, die die Wellen des Südlichen Ozeans brechen und das Wasser in sanften Bewegungen ans Ufer rollen lassen.

 

Valley of the Giants – zwischen Himmel und Jahrtausenden

Hinter Denmark verändert sich die Landschaft erneut. Die Luft wird feuchter, dichter, kühler. Und dann stehen wir plötzlich vor einem Wald, der nicht einfach nur Wald ist – sondern eine eigene Welt.

Das Valley of the Giants wirkt wie eine Kathedrale aus Holz und Licht. Hier wachsen die berühmten Red Tingle Trees (Eucalyptus jacksonii), eine Baumart, die ausschließlich in dieser Region im Südwesten Western Australias vorkommt. Einige dieser Giganten sind über 400 Jahre alt, erreichen Höhen von 60 bis 75 Metern und besitzen einen Stamm von bis zu 16 Metern Umfang. Manche Stämme sind im Inneren vollständig ausgehöhlt – nicht abgestorben, sondern lebendig, widerstandsfähig, regenerierend.

Wir beginnen unseren Rundgang auf dem Ancient Empire Walk, einem Pfad am Waldboden, der uns zwischen diesen Riesen hindurchführt. Die Stämme sind so massiv, dass man in ihre ausgehöhlten Sockel hineingehen kann. Wir stehen im Inneren eines Baumes – und fühlen uns winzig. Die Rinde ist rau, warm, strukturiert wie eine Landschaft für sich. Über uns verschwindet der Stamm im dichten Blätterdach. Licht fällt in schmalen Bahnen herab, Staubpartikel tanzen darin wie winzige Sterne.

Dieser Wald hat etwas Zeitloses. Er steht hier seit Jahrhunderten, hat Stürme überlebt, Feuer, Klimaveränderungen. Und wir sind nur für einen Moment Teil davon.

Dann folgt der Perspektivwechsel: der Tree Top Walk.

Ein 550 Meter langer Rundweg aus filigranen Stahlkonstruktionen führt uns in bis zu 40 Meter Höhe – direkt hinein in die Baumkronen. Die Stege hängen frei zwischen den Tingles, sie bewegen sich leicht mit dem Wind. Es ist kein starres Bauwerk, sondern eines, das mit dem Wald lebt. Unter uns der Waldboden, tief und fern. Über uns noch immer Äste und Blätter, die selbst diese Höhe überragen.

Wir gehen langsam. Spüren das leichte Schwanken. Bleiben stehen, um in die Ferne zu blicken. Von oben erkennt man erst die Dimension dieses Ökosystems – das Zusammenspiel aus uralten Stämmen, dichtem Unterholz und dem weiten Himmel darüber.

Es ist ein Erlebnis, das Ehrfurcht auslöst. Und weil wir nicht genug bekommen können, gehen wir die Runde gleich ein zweites Mal. Das Ticket erlaubt es – und wir nutzen es. Beim zweiten Durchgang achten wir auf Details: das Knarren der Konstruktion, den Geruch des Eukalyptus, das Licht, das sich verändert.

Voll dieser Eindrücke verlassen wir das Valley of the Giants mit dem Gefühl, etwas wirklich Einzigartiges erlebt zu haben.

 

Letzte Tage am Meer

Unsere letzte Nacht im Wald verbringen wir im Shannon Nationalpark, auf einem ehemaligen Holzfällergelände, das heute ein Campground ist. Wir sind die einzigen Gäste. Abends heizen wir den Wasserkessel im Waschhäuschen mit Holz, genießen eine warme Dusche und die absolute Stille.

Am nächsten Tag fahren wir weiter nach Busselton. Die Stadt ist bekannt für ihre 1,8 Kilometer lange Busselton Jetty, die längste hölzerne Seebrücke der südlichen Hemisphäre. Sie ragt weit in den Indischen Ozean hinein, am Ende befindet sich sogar ein Unterwasser-Observatorium. Daneben liegt eine liebevoll gestaltete Parkanlage mit BBQ-Plätzen, Spielplätzen und schattigen Bäumen.

Wir sitzen einfach nur da. Planschen im Wasser. Atmen durch.

Unser letzter Sonnenuntergang erwartet uns am Preston Beach, wo wir direkt hinter den Dünen campen. Während die Sonne im Indischen Ozean versinkt, tauchen plötzlich zwei Rückenflossen nahe am Ufer auf. Haie. Ein letzter Gruß von Western Australia.

Am nächsten Morgen geben wir unseren Camper zurück. Ein neues Kapitel beginnt. Über HomeExchange wartet ein Haus in Perth auf uns. Und wir sind bereit für das, was kommt.