Vor einigen Wochen im Kalbarri Nationalpark in Western Australia, haben wir Diane und Andrew kennengelernt. Es war eine dieser typischen australischen Begegnungen: Mitten im Outback, auf einer Wanderung, trifft man andere Menschen, kommt ins Gespräch, tauscht ein paar Nettigkeiten und gute Wünsche aus – und geht anschließend wieder seiner Wege.
Doch dieses Gespräch nahm eine unerwartete Wendung.
Wir erzählten den beiden von unserer Reise, von der Idee, mit unseren Kindern ein Jahr lang die Welt zu erkunden. Diane und Andrew hörten aufmerksam zu und waren sichtlich begeistert. Und dann erzählten sie, dass sie eine große Getreidefarm auf halber Strecke zwischen Adelaide und Melbourne besitzen. Wenn wir auf unserer Reise dort vorbeikämen, seien wir herzlich eingeladen, sie zu besuchen.
Im ersten Moment lehnten wir dankend ab. Nhill, wo die Farm liegt, schien uns doch ziemlich weit weg von unserer geplanten Route. Doch als wir uns später noch einmal auf dem Parkplatz begegneten, dachten wir: Vielleicht ist es doch sinnvoll, zumindest die Telefonnummern auszutauschen.
Also taten wir genau das – tauschten Nummern aus und verabschiedeten uns.
Einige Wochen später, als wir in dem wunderschönen Haus in Beaumaris an der Port Philip Bay wohnten und unsere weitere Route planten, ging uns der Gedanke, Diane und Andrew zu besuchen, nicht mehr aus dem Kopf. Nhill ließ sich erstaunlich gut mit unserer Strecke über die Great Ocean Road und durch den Grampians Nationalpark verbinden.
Trotzdem fühlte es sich ein wenig seltsam an, wildfremde Menschen anzurufen und zu fragen, ob ihr Angebot wirklich ernst gemeint war.
Wir taten es trotzdem.
Und ja – es war absolut ernst gemeint.

Nach unserer Tour über die Great Ocean Road und durch die Grampians machen wir uns also auf den Weg in das kleine Dorf Nhill, ganz im Westen des australischen Bundesstaates Victoria.
Durch endlose Weizenfelder und über kilometerlange Schotterpisten nähern wir uns der Farm von Diane und Andrew, die sich seit mehreren Generationen im Familienbesitz befindet.
Schon von Weitem sehen wir das Farmhaus: ein wunderschönes, mehr als 100 Jahre altes Haus mit einer großen Veranda und einem üppigen Garten. Es wirkt fast wie eine kleine grüne Oase mitten in der weiten Landschaft.

Als wir ankommen, empfängt uns Diane herzlich. Sie zeigt uns unsere Schlafzimmer, und wenig später sitzen wir mit einer Erfrischung auf der Veranda und tauschen Reisegeschichten aus. Diane und Andrew sind selbst schon viel herumgekommen, so dass wir uns über Orte auf der ganzen Welt unterhalten können.
Am Abend kommt auch Andrew von der Farmarbeit nach Hause.
Natürlich werfen wir den Grill an und machen ein klassisches australisches BBQ. Der Tag klingt bei guten Gesprächen und unter einem riesigen Sternenhimmel aus.
Der nächste Tag steht ganz im Zeichen des Farmlebens. Andrew führt uns morgens zuerst durch die Scheunen und Schuppen der Farm.

Es ist beginnender Herbst in Australien. Die Felder sind bereits abgeerntet und müssen nun gedüngt werden.
Zuerst fahren wir zu einigen großen Scheunen, die das operative Herz der Farm bilden. Dort befüllen wir einen Lastwagen mit Dünger.

Auf dem Feld, das wir bearbeiten möchten, wartet bereits Will, der Sohn von Diane und Andrew. Die beiden sind glücklich, dass er die Farm übernehmen wird. Er steht neben einem beeindruckenden Gespann: ein riesiger Traktor mit dreifach bereiften Rädern, der eine Maschine mit über 40 Metern Spannweite zieht.
Doch bevor es losgeht, muss der Traktor noch betankt werden.
Also hängen wir ein 2.000-Liter-Dieselfass an den Ute. Andrew fährt den Truck, Sebastian und Maximilian fahren mit dem Ute hinterher. Mit etwa 80 km/h über die Sand- und Schotterpisten zu fahren macht erstaunlich viel Spaß – auch wenn es dabei gewaltig staubt.
Erst nach etwa zwanzig Minuten erreichen wir das Feld.
Der Dünger wird umgefüllt, der Traktor betankt – und dann beginnt die eigentliche Arbeit. Vollständig GPS-gesteuert zieht das gewaltige Gespann seine Bahnen über die gigantische Fläche.

Die Dimensionen sind für uns kaum vorstellbar. Diane und Andrew bewirtschaften mehr als 10.000 Hektar Land.
(Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Bauernhof im Münsterland hat etwa 30 bis 40 Hektar9.
Hier draußen lernt man Geduld.
Früher hatten die beiden auch noch Schafe, die sie aber vor kurzem verkauft haben. Will steigt gerade wieder ins Schafgeschäft ein und hat erst kürzlich eine kleine Herde Lämmer gekauft.



Nach einigen Stunden auf dem Feld lassen wir Will weiterarbeiten und machen noch eine ausgedehnte Runde über die Farm. Über 4WD-Tracks fahren wir quer über das Farmland bis zum Lake Hindmarsh, der zu dieser Jahreszeit allerdings komplett ausgetrocknet ist.

Für uns ist es ein beeindruckendes Erlebnis. Diese Dimensionen von Land und Maschinerie sind kaum vorstellbar.
Völlig erschöpft und voller Eindrücke fallen wir abends ins Bett.
Am nächsten Morgen schlafen wir erst einmal aus und starten ganz gemächlich in den Tag. Während Andrew bereits wieder auf der Farm arbeitet, unterhalten wir uns mit Diane auf der Veranda.
Am Abend fahren wir gemeinsam ins 50km entfernte Dimboola. Dimboola ist das nächstgelegene Dorf, wir haben einen Tisch für das Abendessen im Victoria Hotel reserviert.
Dieses mehr als 100 Jahre alte Hotel, das sich immer noch ganz im viktorianischen Stil präsentiert, ist so etwas wie das soziale Zentrum der Farmer aus der ganzen Umgebung: Dunkle Holzpaneele an den Wänden, stilvolles Interieur, Gemälde - und natürlich eine ordentliche Bar.


Diane hat Freunde eingeladen – ebenfalls Farmer, ebenfalls reiselustige Menschen. Bei gutem Essen und einem Pint Bier entstehen schnell lebhafte Gespräche über Reisen, Landwirtschaft und das unterschiedliche Leben auf zwei Kontinenten.
Es sind spannende Tage, die uns mitten hineinführen in das Leben auf einer australischen Getreidefarm.
Am nächsten Morgen heißt es Abschied nehmen von Diane und Andrew und ihrer Farm.
Natürlich laden wir die beiden ein, uns irgendwann im Münsterland zu besuchen. Dann wollen wir ihnen zeigen, wie Landwirtschaft bei uns funktioniert. - Ein Stück interkultureller Austausch auf dem Land.
Vor uns liegt nun ein weiterer Ort, von dessen Existenz wohl selbst viele Australier nichts wissen.
Wir fahren nach Wedderburn Junction, 220 km weiter östlich in Victoria.
Als wir uns mit Sabine und ihrem Verlobten Neil in Melbourne getroffen hatten, erzählte Neil, dass seine Schwester Karen gemeinsam mit ihrem Mann Geoff eine Schaffarm betreibt, die seit Generationen im Familienbesitz ist. Wenn wir möchten, könnten wir sie dort besuchen.
Erneut fragten wir also Menschen, die wir noch nie zuvor getroffen haben, ob wir bei ihnen wohnen können. Karen, mit ihrem ruhigen Wesen und ihrer warmen Art, lädt uns tatsächlich ein. Wir können bleiben, so lange wir wollen.
Für uns ist das eine wunderbare Gelegenheit, neben dem Getreidefarming nun auch das Schaffarming kennenzulernen.
Wedderburn liegt mitten in den australischen Goldfields von Victoria.
Als wir ankommen, findet gerade das Wedderburn Detector Jamboree, ein großes Goldsucher-Festival statt. Goldgräber, Sondengänger und Goldwäscher treffen sich auf dem örtlichen Campground und tauschen Erfahrungen aus.
Noch immer gibt es Gold zu finden in dieser Gegend.
Bei einem Wettbewerb im Goldwaschen staunen unsere Kinder nicht schlecht, als tatsächlich kleine Goldflocken aus dem Sand herausgewaschen werden.
Der Goldrausch in Wedderburn begann bereits 1852. Und noch 1980 wurde hier einer der berühmtesten Goldnuggets Australiens gefunden: die Hand of Faith, ein Nugget mit mehr als 27 Kilogramm Gewicht.
Nicht jeder hatte freilich Glück im Goldsuchen. Wer damals kein Gold fand, destillierte Eukalyptusöl und verkaufte es. Bis heute ist die Gegend berühmt für ihr hochwertiges Eukalyptusöl, das für alle möglichen Anwendungsgebiete taugt: von Fleckentferner bis zum Erkältungsmittel.
Wir sind froh, dass wir einen Wagen mit Allradantrieb haben. Mit unserem 4WD erkunden wir die holprigen Tracks rund um Wedderburn. Überall entdecken wir verlassene Schächte der Goldgräber und Ruinen alter Eukalyptus-Destillerien, die von der Geschichte dieses Ortes erzählen.

Ein Tagesausflug führt uns nach Bendigo, wo auch heute noch Gold abgebaut wird. In der Central Deborah Mine fahren wir mit einem Förderkorb tief in einen Schacht ein und erleben eine faszinierende Führung durch den harten Alltag unter Tage.

Anschließend versuchen wir selbst unser Glück beim Goldwaschen – und tatsächlich finden wir ein paar winzige Goldpartikel.
Eureka!

Natürlich wollen Karen und ihr Mann Geoff uns ihre Farm zeigen. Wir springen also neben Belle, dem Hirtenhund auf die Ladefläche von Geoffs altem Ute und los geht’s. Geoff erzählt Geschichten aus seinem Leben, in einem breiten und derben australischen Slang, an den wir uns erst einmal gewöhnen müssen.

Sein Farmland ist wunderschön gelegen: sanfte Hügel, viele Bäume, kleine Creeks und weite Weiden am Fuße des Mount Korong.
Auch seine Farm ist riesig: Fast zwei Stunden lang fahren wir über sein Land.

Irgendwann zeigt er uns einen Hügel mit lichtem Eukalyptuswald, der ihm gehört. Dort befindet sich ein Goldfeld. Immer wieder dringen Glücksritter illegal auf sein Land ein, um mit Metalldetektoren und Hacken nach Gold zu graben.
Noch während Geoff uns davon erzählt, passiert es: Der Wagen stoppt abrupt und kippt plötzlich zur Seite. Ein Hinterrad hängt in der Luft.
Wir sind mit in einen illegal gegrabenen Schacht geraten und stecken geblieben.
Mit einem beherzten Sprung retten wir uns von der Ladefläche. Zum Glück ist Karen erreichbar. Sie kommt mit dem Traktor und zieht uns mit einer schweren Kette wieder heraus.

Nach diesem Erlebnis fangen wir erst einmal ein paar Flusskrebse aus dem Teich hinter dem Haus.
Später fährt Geoff mit Irene und Sebastian noch einmal hinaus auf die Weiden. Er hat seine Flinte dabei und möchte ein paar Kängurus schießen.
Es zeigen sich aber nur drei große Exemplare ziemlich weit entfernt – zu weit für einen sicheren Schuss. Die Tiere haben Glück.
Stattdessen fahren wir weiter über die Felder in einen spektakulären Sonnenuntergang.


Mit Geoff gibt es immer etwas zu erleben.
Er ist Präsident des Wedderburn Golf Club, und am Sonntag steht Platzpflege auf dem Programm. Der Platz ist aufgrund der Trockenheit nur im Winter bespielbar. Die Saison beginnt zu Ostern, und bis dahin muss der 18-Loch-Platz vorbereitet werden.
Unsere Aufgabe ist es, die Greens zu säubern. Die Greens sind allerdings nicht grün – sie bestehen aus dunklem Sand, der mit einer von Geoffs Kumpel konstruierten bizarren Maschine gesiebt wird.
Australien ist eben anders.
Während unserer Tage auf der Farm kommen die Scherer zum Crutching. Dabei werden die Hinterteile der Schafe geschoren, damit das Lammen leichter fällt und sich keine Fliegen dort einnisten. Karen und Geoff besitzen mehr als 1.400 Schafe, zumeist Merinos. Es liegt also ein ordentliches Stück Arbeit vor uns.
Früh am Morgen fahren Geoff, Maximilian und Sebastian zum Shearing Shed, den Karen und Geoff selbst gebaut haben. Bevor die Scherer kommen, wollen wir noch die Lämmer kastrieren.

Für uns, die wir noch nie mit Schafen gearbeitet haben, ist das zunächst ungewohnt. Wir müssen die Lämmer, die etwas 6 Monate alt sind, zusammentreiben, fangen, auf den Rücken legen und dann mit einem sehr engen Ring versehen. Harte Arbeit, denn mit ihren 6 Monaten sind die Lämmer bereits ziemlich stark und wiegen bereits über 30 kg.

Als die Scherer kommen, beginnt die Arbeit im Akkord: Wir treiben die Herden nacheinander über eine Rampe in den Shearing Shed. Dabei hilft uns Belle, der treue Hirtenhund. Dann treiben wir die Schafe in die Stände hinter den Scherplätzen.

Die Scherer holen sich ein Schaf nach dem anderen, scheren es in atemberaubendem Tempo und lassen es anschließend über eine Rampe wieder hinaus auf die Weide.
Wir stinken, sind von oben bis unten dreckig und voller Staub, aber diese Arbeit macht Spaß! Am Ende des Tages, treiben wir die Herden wieder auf ihre Felder. Der Weg, den wir mit den Schafen zurücklegen, ist mehrere Kilometer lang. Sanfte Hügel, vereinzelte Bäume, goldenes Licht.
Die Sonne steht tief, und eine gewaltige Herde Schafe durch diese schon fast toskanisch anmutende wunderschöne Landschaft in den Sonnenuntergang zu treiben, ist einer der schönsten Momente der Reise.

Es gibt immer etwas zu tun, und meistens beginnt alles mit einer abenteuerlichen Fahrt im Ute über endlose Weiden.

Ein Hammel bereitet Geoff Probleme. Er büchst immer wieder aus und ist nur schwer kontrollierbar. Geoff hat bereits mehrfach versucht, ihn einzufangen, doch allein ist es ihm nicht geglückt. Also versuchen Geoff, Maximilian und Sebastian es nun gemeinsam.
Als wir ihn auf einer weit entfernten Weide entdecken, trennen wir ihn von der Herde Mit der Hilfe von Belle, dem treuen Hirtenhund, treiben wir den Hammel in die Enge. Belle befolgt Geoffs Anweisungen präzise und konzentriert. Nach einer Weile gibt es für den gewaltigen Hammel kein Entkommen mehr. Doch was jetzt? Beherzt packt Sebastian das fast 200 kg schwere Tier am Hals, schwingt sich auf seinen Rücken und reitet auf dem Hammel, bis er erschöpft aufgibt. Wir legen ihn mit vereinten Kräften auf den Rücken, fesseln ihn und wuchten ihn zu Dritt auf den Anhänger, um ihn auf eine sichere Weide beim Shearing Shed zu bringen. Einfacher gesagt als getan. Denn auf der Weide angekommen, lösen wir die Fesseln und der Hammel büchst erneut aus, rammt Geoff mit dem Kopf in den Bauch, so dass Geoff schmerzhaft auf dem Rücken landet. Ein cleveres Tier.
Als wir den Hammel mit einiger Mühe endlich auf die Weide getrieben haben, steht der Entschluss: Geoff wird das Tier, das ständig Ärger macht, wohl verkaufen.

Nur schwer können wir uns von diesem Leben als Schaffarmer lösen. Karen und Geoff haben zwar zwei Söhne, aber keiner von ihnen möchte die Farm übernehmen. Als wir uns verabschieden, sagen wir - vielleicht sogar ein bisschen ernst gemeint - die beiden sollen sich bei uns melden, wenn sie die Farm einmal verkaufen wollen...
Australien ist kein Reiseziel. Es ist ein Gefühl.
Weite Landschaften, spektakuläre Küsten, rote Wüsten, türkisfarbene Riffe und eine Tierwelt, die es so nur hier gibt – wer einmal dort war, versteht, warum viele Reisende sagen: Australien verändert dich.
Auf wirreisenjetzt.de nehmen wir dich mit auf diesen besonderen Kontinent. In unseren Blogartikeln zeigen wir dir, wie vielfältig, familienfreundlich und überraschend entspannt eine Australienreise sein kann.

Australien verbindet Dinge, die sonst kaum zusammenpassen:
Von ikonischen Orten wie dem Sydney Opera House über das legendäre Great Barrier Reef bis hin zu den endlosen Weiten des Outbacks – jede Region erzählt ihre eigene Geschichte.
Und genau diese Vielfalt macht Australien so besonders.
Australien ist ein Paradies für Naturfans:
Hier spürst du Weite. Freiheit. Und eine Ruhe, die im Alltag oft fehlt.

Australien ist eines der wenigen Länder, in denen Tierbeobachtungen fast selbstverständlich dazugehören:
Gerade für Familien wird eine Australienreise dadurch zu einem echten Erlebnis – authentisch, lehrreich und emotional.
Australien ist wie gemacht für Roadtrips. Breite Straßen, wenig Verkehr, gute Infrastruktur und spektakuläre Routen laden dazu ein, das Land flexibel zu entdecken.
Ob mit Camper oder Mietwagen – eine Reise durch Australien bedeutet:
In unseren Blogartikeln zu unseren Australien-Reisen zeigen wir dir konkrete Routen, familienfreundliche Stopps, Geheimtipps und praktische Planungshilfen.

Viele Familien fragen sich: Ist Australien mit Kindern machbar?
Unsere klare Antwort: Ja – und wie!
Sichere Strände
Kinderfreundliche Städte
In unseren Blogbeiträgen findest du Inspiration für Familienrouten, Erfahrungsberichte und praktische Tipps aus erster Hand.
Australien ist groß. Viel größer, als man auf einer Karte erahnt.
Und genau deshalb lohnt es sich, gut zu planen – und sich gleichzeitig treiben zu lassen.
Auf wirreisenjetzt.de findest du:
✔ Detaillierte Reiseberichte
✔ Familienfreundliche Routenvorschläge
✔ Tipps für Roadtrips und Camperreisen
✔ Inspiration für verschiedene Regionen Australiens
✔ Praktische Planungshilfen
Wenn du von weiten Horizonten träumst, von Lagerfeuer-Momenten, von barfuß am Strand und Abenteuern unter dem Sternenhimmel – dann stöbere durch unsere Australien-Artikel und beginne deine eigene Reiseplanung.
Australien wartet. 🌏
Vor einigen Wochen im Kalbarri Nationalpark in Western Australia, haben wir Diane und Andrew kennengelernt. Es war eine dieser typischen australischen Begegnungen: Mitten im Outback, auf einer Wanderung, trifft man andere Menschen, kommt ins Gespräch, tauscht ein paar Nettigkeiten und gute Wünsche aus – und geht anschließend wieder seiner Wege.
Doch dieses Gespräch nahm eine unerwartete Wendung.
Wir erzählten den beiden von unserer Reise, von der Idee, mit unseren Kindern ein Jahr lang die Welt zu erkunden. Diane und Andrew hörten aufmerksam zu und waren sichtlich begeistert. Und dann erzählten sie, dass sie eine große Getreidefarm auf halber Strecke zwischen Adelaide und Melbourne besitzen. Wenn wir auf unserer Reise dort vorbeikämen, seien wir herzlich eingeladen, sie zu besuchen.
Im ersten Moment lehnten wir dankend ab. Nhill, wo die Farm liegt, schien uns doch ziemlich weit weg von unserer geplanten Route. Doch als wir uns später noch einmal auf dem Parkplatz begegneten, dachten wir: Vielleicht ist es doch sinnvoll, zumindest die Telefonnummern auszutauschen.
Also taten wir genau das – tauschten Nummern aus und verabschiedeten uns.
Einige Wochen später, als wir in dem wunderschönen Haus in Beaumaris an der Port Philip Bay wohnten und unsere weitere Route planten, ging uns der Gedanke, Diane und Andrew zu besuchen, nicht mehr aus dem Kopf. Nhill ließ sich erstaunlich gut mit unserer Strecke über die Great Ocean Road und durch den Grampians Nationalpark verbinden.
Trotzdem fühlte es sich ein wenig seltsam an, wildfremde Menschen anzurufen und zu fragen, ob ihr Angebot wirklich ernst gemeint war.
Wir taten es trotzdem.
Und ja – es war absolut ernst gemeint.

Nach unserer Tour über die Great Ocean Road und durch die Grampians machen wir uns also auf den Weg in das kleine Dorf Nhill, ganz im Westen des australischen Bundesstaates Victoria.
Durch endlose Weizenfelder und über kilometerlange Schotterpisten nähern wir uns der Farm von Diane und Andrew, die sich seit mehreren Generationen im Familienbesitz befindet.
Schon von Weitem sehen wir das Farmhaus: ein wunderschönes, mehr als 100 Jahre altes Haus mit einer großen Veranda und einem üppigen Garten. Es wirkt fast wie eine kleine grüne Oase mitten in der weiten Landschaft.

Als wir ankommen, empfängt uns Diane herzlich. Sie zeigt uns unsere Schlafzimmer, und wenig später sitzen wir mit einer Erfrischung auf der Veranda und tauschen Reisegeschichten aus. Diane und Andrew sind selbst schon viel herumgekommen, so dass wir uns über Orte auf der ganzen Welt unterhalten können.
Am Abend kommt auch Andrew von der Farmarbeit nach Hause.
Natürlich werfen wir den Grill an und machen ein klassisches australisches BBQ. Der Tag klingt bei guten Gesprächen und unter einem riesigen Sternenhimmel aus.
Der nächste Tag steht ganz im Zeichen des Farmlebens. Andrew führt uns morgens zuerst durch die Scheunen und Schuppen der Farm.

Es ist beginnender Herbst in Australien. Die Felder sind bereits abgeerntet und müssen nun gedüngt werden.
Zuerst fahren wir zu einigen großen Scheunen, die das operative Herz der Farm bilden. Dort befüllen wir einen Lastwagen mit Dünger.

Auf dem Feld, das wir bearbeiten möchten, wartet bereits Will, der Sohn von Diane und Andrew. Die beiden sind glücklich, dass er die Farm übernehmen wird. Er steht neben einem beeindruckenden Gespann: ein riesiger Traktor mit dreifach bereiften Rädern, der eine Maschine mit über 40 Metern Spannweite zieht.
Doch bevor es losgeht, muss der Traktor noch betankt werden.
Also hängen wir ein 2.000-Liter-Dieselfass an den Ute. Andrew fährt den Truck, Sebastian und Maximilian fahren mit dem Ute hinterher. Mit etwa 80 km/h über die Sand- und Schotterpisten zu fahren macht erstaunlich viel Spaß – auch wenn es dabei gewaltig staubt.
Erst nach etwa zwanzig Minuten erreichen wir das Feld.
Der Dünger wird umgefüllt, der Traktor betankt – und dann beginnt die eigentliche Arbeit. Vollständig GPS-gesteuert zieht das gewaltige Gespann seine Bahnen über die gigantische Fläche.

Die Dimensionen sind für uns kaum vorstellbar. Diane und Andrew bewirtschaften mehr als 10.000 Hektar Land.
(Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Bauernhof im Münsterland hat etwa 30 bis 40 Hektar9.
Hier draußen lernt man Geduld.
Früher hatten die beiden auch noch Schafe, die sie aber vor kurzem verkauft haben. Will steigt gerade wieder ins Schafgeschäft ein und hat erst kürzlich eine kleine Herde Lämmer gekauft.



Nach einigen Stunden auf dem Feld lassen wir Will weiterarbeiten und machen noch eine ausgedehnte Runde über die Farm. Über 4WD-Tracks fahren wir quer über das Farmland bis zum Lake Hindmarsh, der zu dieser Jahreszeit allerdings komplett ausgetrocknet ist.

Für uns ist es ein beeindruckendes Erlebnis. Diese Dimensionen von Land und Maschinerie sind kaum vorstellbar.
Völlig erschöpft und voller Eindrücke fallen wir abends ins Bett.
Am nächsten Morgen schlafen wir erst einmal aus und starten ganz gemächlich in den Tag. Während Andrew bereits wieder auf der Farm arbeitet, unterhalten wir uns mit Diane auf der Veranda.
Am Abend fahren wir gemeinsam ins 50km entfernte Dimboola. Dimboola ist das nächstgelegene Dorf, wir haben einen Tisch für das Abendessen im Victoria Hotel reserviert.
Dieses mehr als 100 Jahre alte Hotel, das sich immer noch ganz im viktorianischen Stil präsentiert, ist so etwas wie das soziale Zentrum der Farmer aus der ganzen Umgebung: Dunkle Holzpaneele an den Wänden, stilvolles Interieur, Gemälde - und natürlich eine ordentliche Bar.


Diane hat Freunde eingeladen – ebenfalls Farmer, ebenfalls reiselustige Menschen. Bei gutem Essen und einem Pint Bier entstehen schnell lebhafte Gespräche über Reisen, Landwirtschaft und das unterschiedliche Leben auf zwei Kontinenten.
Es sind spannende Tage, die uns mitten hineinführen in das Leben auf einer australischen Getreidefarm.
Am nächsten Morgen heißt es Abschied nehmen von Diane und Andrew und ihrer Farm.
Natürlich laden wir die beiden ein, uns irgendwann im Münsterland zu besuchen. Dann wollen wir ihnen zeigen, wie Landwirtschaft bei uns funktioniert. - Ein Stück interkultureller Austausch auf dem Land.
Vor uns liegt nun ein weiterer Ort, von dessen Existenz wohl selbst viele Australier nichts wissen.
Wir fahren nach Wedderburn Junction, 220 km weiter östlich in Victoria.
Als wir uns mit Sabine und ihrem Verlobten Neil in Melbourne getroffen hatten, erzählte Neil, dass seine Schwester Karen gemeinsam mit ihrem Mann Geoff eine Schaffarm betreibt, die seit Generationen im Familienbesitz ist. Wenn wir möchten, könnten wir sie dort besuchen.
Erneut fragten wir also Menschen, die wir noch nie zuvor getroffen haben, ob wir bei ihnen wohnen können. Karen, mit ihrem ruhigen Wesen und ihrer warmen Art, lädt uns tatsächlich ein. Wir können bleiben, so lange wir wollen.
Für uns ist das eine wunderbare Gelegenheit, neben dem Getreidefarming nun auch das Schaffarming kennenzulernen.
Wedderburn liegt mitten in den australischen Goldfields von Victoria.
Als wir ankommen, findet gerade das Wedderburn Detector Jamboree, ein großes Goldsucher-Festival statt. Goldgräber, Sondengänger und Goldwäscher treffen sich auf dem örtlichen Campground und tauschen Erfahrungen aus.
Noch immer gibt es Gold zu finden in dieser Gegend.
Bei einem Wettbewerb im Goldwaschen staunen unsere Kinder nicht schlecht, als tatsächlich kleine Goldflocken aus dem Sand herausgewaschen werden.
Der Goldrausch in Wedderburn begann bereits 1852. Und noch 1980 wurde hier einer der berühmtesten Goldnuggets Australiens gefunden: die Hand of Faith, ein Nugget mit mehr als 27 Kilogramm Gewicht.
Nicht jeder hatte freilich Glück im Goldsuchen. Wer damals kein Gold fand, destillierte Eukalyptusöl und verkaufte es. Bis heute ist die Gegend berühmt für ihr hochwertiges Eukalyptusöl, das für alle möglichen Anwendungsgebiete taugt: von Fleckentferner bis zum Erkältungsmittel.
Wir sind froh, dass wir einen Wagen mit Allradantrieb haben. Mit unserem 4WD erkunden wir die holprigen Tracks rund um Wedderburn. Überall entdecken wir verlassene Schächte der Goldgräber und Ruinen alter Eukalyptus-Destillerien, die von der Geschichte dieses Ortes erzählen.

Ein Tagesausflug führt uns nach Bendigo, wo auch heute noch Gold abgebaut wird. In der Central Deborah Mine fahren wir mit einem Förderkorb tief in einen Schacht ein und erleben eine faszinierende Führung durch den harten Alltag unter Tage.

Anschließend versuchen wir selbst unser Glück beim Goldwaschen – und tatsächlich finden wir ein paar winzige Goldpartikel.
Eureka!

Natürlich wollen Karen und ihr Mann Geoff uns ihre Farm zeigen. Wir springen also neben Belle, dem Hirtenhund auf die Ladefläche von Geoffs altem Ute und los geht’s. Geoff erzählt Geschichten aus seinem Leben, in einem breiten und derben australischen Slang, an den wir uns erst einmal gewöhnen müssen.

Sein Farmland ist wunderschön gelegen: sanfte Hügel, viele Bäume, kleine Creeks und weite Weiden am Fuße des Mount Korong.
Auch seine Farm ist riesig: Fast zwei Stunden lang fahren wir über sein Land.

Irgendwann zeigt er uns einen Hügel mit lichtem Eukalyptuswald, der ihm gehört. Dort befindet sich ein Goldfeld. Immer wieder dringen Glücksritter illegal auf sein Land ein, um mit Metalldetektoren und Hacken nach Gold zu graben.
Noch während Geoff uns davon erzählt, passiert es: Der Wagen stoppt abrupt und kippt plötzlich zur Seite. Ein Hinterrad hängt in der Luft.
Wir sind mit in einen illegal gegrabenen Schacht geraten und stecken geblieben.
Mit einem beherzten Sprung retten wir uns von der Ladefläche. Zum Glück ist Karen erreichbar. Sie kommt mit dem Traktor und zieht uns mit einer schweren Kette wieder heraus.

Nach diesem Erlebnis fangen wir erst einmal ein paar Flusskrebse aus dem Teich hinter dem Haus.
Später fährt Geoff mit Irene und Sebastian noch einmal hinaus auf die Weiden. Er hat seine Flinte dabei und möchte ein paar Kängurus schießen.
Es zeigen sich aber nur drei große Exemplare ziemlich weit entfernt – zu weit für einen sicheren Schuss. Die Tiere haben Glück.
Stattdessen fahren wir weiter über die Felder in einen spektakulären Sonnenuntergang.


Mit Geoff gibt es immer etwas zu erleben.
Er ist Präsident des Wedderburn Golf Club, und am Sonntag steht Platzpflege auf dem Programm. Der Platz ist aufgrund der Trockenheit nur im Winter bespielbar. Die Saison beginnt zu Ostern, und bis dahin muss der 18-Loch-Platz vorbereitet werden.
Unsere Aufgabe ist es, die Greens zu säubern. Die Greens sind allerdings nicht grün – sie bestehen aus dunklem Sand, der mit einer von Geoffs Kumpel konstruierten bizarren Maschine gesiebt wird.
Australien ist eben anders.
Während unserer Tage auf der Farm kommen die Scherer zum Crutching. Dabei werden die Hinterteile der Schafe geschoren, damit das Lammen leichter fällt und sich keine Fliegen dort einnisten. Karen und Geoff besitzen mehr als 1.400 Schafe, zumeist Merinos. Es liegt also ein ordentliches Stück Arbeit vor uns.
Früh am Morgen fahren Geoff, Maximilian und Sebastian zum Shearing Shed, den Karen und Geoff selbst gebaut haben. Bevor die Scherer kommen, wollen wir noch die Lämmer kastrieren.

Für uns, die wir noch nie mit Schafen gearbeitet haben, ist das zunächst ungewohnt. Wir müssen die Lämmer, die etwas 6 Monate alt sind, zusammentreiben, fangen, auf den Rücken legen und dann mit einem sehr engen Ring versehen. Harte Arbeit, denn mit ihren 6 Monaten sind die Lämmer bereits ziemlich stark und wiegen bereits über 30 kg.

Als die Scherer kommen, beginnt die Arbeit im Akkord: Wir treiben die Herden nacheinander über eine Rampe in den Shearing Shed. Dabei hilft uns Belle, der treue Hirtenhund. Dann treiben wir die Schafe in die Stände hinter den Scherplätzen.

Die Scherer holen sich ein Schaf nach dem anderen, scheren es in atemberaubendem Tempo und lassen es anschließend über eine Rampe wieder hinaus auf die Weide.
Wir stinken, sind von oben bis unten dreckig und voller Staub, aber diese Arbeit macht Spaß! Am Ende des Tages, treiben wir die Herden wieder auf ihre Felder. Der Weg, den wir mit den Schafen zurücklegen, ist mehrere Kilometer lang. Sanfte Hügel, vereinzelte Bäume, goldenes Licht.
Die Sonne steht tief, und eine gewaltige Herde Schafe durch diese schon fast toskanisch anmutende wunderschöne Landschaft in den Sonnenuntergang zu treiben, ist einer der schönsten Momente der Reise.

Es gibt immer etwas zu tun, und meistens beginnt alles mit einer abenteuerlichen Fahrt im Ute über endlose Weiden.

Ein Hammel bereitet Geoff Probleme. Er büchst immer wieder aus und ist nur schwer kontrollierbar. Geoff hat bereits mehrfach versucht, ihn einzufangen, doch allein ist es ihm nicht geglückt. Also versuchen Geoff, Maximilian und Sebastian es nun gemeinsam.
Als wir ihn auf einer weit entfernten Weide entdecken, trennen wir ihn von der Herde Mit der Hilfe von Belle, dem treuen Hirtenhund, treiben wir den Hammel in die Enge. Belle befolgt Geoffs Anweisungen präzise und konzentriert. Nach einer Weile gibt es für den gewaltigen Hammel kein Entkommen mehr. Doch was jetzt? Beherzt packt Sebastian das fast 200 kg schwere Tier am Hals, schwingt sich auf seinen Rücken und reitet auf dem Hammel, bis er erschöpft aufgibt. Wir legen ihn mit vereinten Kräften auf den Rücken, fesseln ihn und wuchten ihn zu Dritt auf den Anhänger, um ihn auf eine sichere Weide beim Shearing Shed zu bringen. Einfacher gesagt als getan. Denn auf der Weide angekommen, lösen wir die Fesseln und der Hammel büchst erneut aus, rammt Geoff mit dem Kopf in den Bauch, so dass Geoff schmerzhaft auf dem Rücken landet. Ein cleveres Tier.
Als wir den Hammel mit einiger Mühe endlich auf die Weide getrieben haben, steht der Entschluss: Geoff wird das Tier, das ständig Ärger macht, wohl verkaufen.

Nur schwer können wir uns von diesem Leben als Schaffarmer lösen. Karen und Geoff haben zwar zwei Söhne, aber keiner von ihnen möchte die Farm übernehmen. Als wir uns verabschieden, sagen wir - vielleicht sogar ein bisschen ernst gemeint - die beiden sollen sich bei uns melden, wenn sie die Farm einmal verkaufen wollen...
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Vor einigen Wochen im Kalbarri Nationalpark in Western Australia, haben wir Diane und Andrew kennengelernt. Es war eine dieser typischen australischen Begegnungen: Mitten im Outback, auf einer Wanderung, trifft man andere Menschen, kommt ins Gespräch, tauscht ein paar Nettigkeiten und gute Wünsche aus – und geht anschließend wieder seiner Wege.
Doch dieses Gespräch nahm eine unerwartete Wendung.
Wir erzählten den beiden von unserer Reise, von der Idee, mit unseren Kindern ein Jahr lang die Welt zu erkunden. Diane und Andrew hörten aufmerksam zu und waren sichtlich begeistert. Und dann erzählten sie, dass sie eine große Getreidefarm auf halber Strecke zwischen Adelaide und Melbourne besitzen. Wenn wir auf unserer Reise dort vorbeikämen, seien wir herzlich eingeladen, sie zu besuchen.
Im ersten Moment lehnten wir dankend ab. Nhill, wo die Farm liegt, schien uns doch ziemlich weit weg von unserer geplanten Route. Doch als wir uns später noch einmal auf dem Parkplatz begegneten, dachten wir: Vielleicht ist es doch sinnvoll, zumindest die Telefonnummern auszutauschen.
Also taten wir genau das – tauschten Nummern aus und verabschiedeten uns.
Einige Wochen später, als wir in dem wunderschönen Haus in Beaumaris an der Port Philip Bay wohnten und unsere weitere Route planten, ging uns der Gedanke, Diane und Andrew zu besuchen, nicht mehr aus dem Kopf. Nhill ließ sich erstaunlich gut mit unserer Strecke über die Great Ocean Road und durch den Grampians Nationalpark verbinden.
Trotzdem fühlte es sich ein wenig seltsam an, wildfremde Menschen anzurufen und zu fragen, ob ihr Angebot wirklich ernst gemeint war.
Wir taten es trotzdem.
Und ja – es war absolut ernst gemeint.

Nach unserer Tour über die Great Ocean Road und durch die Grampians machen wir uns also auf den Weg in das kleine Dorf Nhill, ganz im Westen des australischen Bundesstaates Victoria.
Durch endlose Weizenfelder und über kilometerlange Schotterpisten nähern wir uns der Farm von Diane und Andrew, die sich seit mehreren Generationen im Familienbesitz befindet.
Schon von Weitem sehen wir das Farmhaus: ein wunderschönes, mehr als 100 Jahre altes Haus mit einer großen Veranda und einem üppigen Garten. Es wirkt fast wie eine kleine grüne Oase mitten in der weiten Landschaft.

Als wir ankommen, empfängt uns Diane herzlich. Sie zeigt uns unsere Schlafzimmer, und wenig später sitzen wir mit einer Erfrischung auf der Veranda und tauschen Reisegeschichten aus. Diane und Andrew sind selbst schon viel herumgekommen, so dass wir uns über Orte auf der ganzen Welt unterhalten können.
Am Abend kommt auch Andrew von der Farmarbeit nach Hause.
Natürlich werfen wir den Grill an und machen ein klassisches australisches BBQ. Der Tag klingt bei guten Gesprächen und unter einem riesigen Sternenhimmel aus.
Der nächste Tag steht ganz im Zeichen des Farmlebens. Andrew führt uns morgens zuerst durch die Scheunen und Schuppen der Farm.

Es ist beginnender Herbst in Australien. Die Felder sind bereits abgeerntet und müssen nun gedüngt werden.
Zuerst fahren wir zu einigen großen Scheunen, die das operative Herz der Farm bilden. Dort befüllen wir einen Lastwagen mit Dünger.

Auf dem Feld, das wir bearbeiten möchten, wartet bereits Will, der Sohn von Diane und Andrew. Die beiden sind glücklich, dass er die Farm übernehmen wird. Er steht neben einem beeindruckenden Gespann: ein riesiger Traktor mit dreifach bereiften Rädern, der eine Maschine mit über 40 Metern Spannweite zieht.
Doch bevor es losgeht, muss der Traktor noch betankt werden.
Also hängen wir ein 2.000-Liter-Dieselfass an den Ute. Andrew fährt den Truck, Sebastian und Maximilian fahren mit dem Ute hinterher. Mit etwa 80 km/h über die Sand- und Schotterpisten zu fahren macht erstaunlich viel Spaß – auch wenn es dabei gewaltig staubt.
Erst nach etwa zwanzig Minuten erreichen wir das Feld.
Der Dünger wird umgefüllt, der Traktor betankt – und dann beginnt die eigentliche Arbeit. Vollständig GPS-gesteuert zieht das gewaltige Gespann seine Bahnen über die gigantische Fläche.

Die Dimensionen sind für uns kaum vorstellbar. Diane und Andrew bewirtschaften mehr als 10.000 Hektar Land.
(Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Bauernhof im Münsterland hat etwa 30 bis 40 Hektar9.
Hier draußen lernt man Geduld.
Früher hatten die beiden auch noch Schafe, die sie aber vor kurzem verkauft haben. Will steigt gerade wieder ins Schafgeschäft ein und hat erst kürzlich eine kleine Herde Lämmer gekauft.



Nach einigen Stunden auf dem Feld lassen wir Will weiterarbeiten und machen noch eine ausgedehnte Runde über die Farm. Über 4WD-Tracks fahren wir quer über das Farmland bis zum Lake Hindmarsh, der zu dieser Jahreszeit allerdings komplett ausgetrocknet ist.

Für uns ist es ein beeindruckendes Erlebnis. Diese Dimensionen von Land und Maschinerie sind kaum vorstellbar.
Völlig erschöpft und voller Eindrücke fallen wir abends ins Bett.
Am nächsten Morgen schlafen wir erst einmal aus und starten ganz gemächlich in den Tag. Während Andrew bereits wieder auf der Farm arbeitet, unterhalten wir uns mit Diane auf der Veranda.
Am Abend fahren wir gemeinsam ins 50km entfernte Dimboola. Dimboola ist das nächstgelegene Dorf, wir haben einen Tisch für das Abendessen im Victoria Hotel reserviert.
Dieses mehr als 100 Jahre alte Hotel, das sich immer noch ganz im viktorianischen Stil präsentiert, ist so etwas wie das soziale Zentrum der Farmer aus der ganzen Umgebung: Dunkle Holzpaneele an den Wänden, stilvolles Interieur, Gemälde - und natürlich eine ordentliche Bar.


Diane hat Freunde eingeladen – ebenfalls Farmer, ebenfalls reiselustige Menschen. Bei gutem Essen und einem Pint Bier entstehen schnell lebhafte Gespräche über Reisen, Landwirtschaft und das unterschiedliche Leben auf zwei Kontinenten.
Es sind spannende Tage, die uns mitten hineinführen in das Leben auf einer australischen Getreidefarm.
Am nächsten Morgen heißt es Abschied nehmen von Diane und Andrew und ihrer Farm.
Natürlich laden wir die beiden ein, uns irgendwann im Münsterland zu besuchen. Dann wollen wir ihnen zeigen, wie Landwirtschaft bei uns funktioniert. - Ein Stück interkultureller Austausch auf dem Land.
Vor uns liegt nun ein weiterer Ort, von dessen Existenz wohl selbst viele Australier nichts wissen.
Wir fahren nach Wedderburn Junction, 220 km weiter östlich in Victoria.
Als wir uns mit Sabine und ihrem Verlobten Neil in Melbourne getroffen hatten, erzählte Neil, dass seine Schwester Karen gemeinsam mit ihrem Mann Geoff eine Schaffarm betreibt, die seit Generationen im Familienbesitz ist. Wenn wir möchten, könnten wir sie dort besuchen.
Erneut fragten wir also Menschen, die wir noch nie zuvor getroffen haben, ob wir bei ihnen wohnen können. Karen, mit ihrem ruhigen Wesen und ihrer warmen Art, lädt uns tatsächlich ein. Wir können bleiben, so lange wir wollen.
Für uns ist das eine wunderbare Gelegenheit, neben dem Getreidefarming nun auch das Schaffarming kennenzulernen.
Wedderburn liegt mitten in den australischen Goldfields von Victoria.
Als wir ankommen, findet gerade das Wedderburn Detector Jamboree, ein großes Goldsucher-Festival statt. Goldgräber, Sondengänger und Goldwäscher treffen sich auf dem örtlichen Campground und tauschen Erfahrungen aus.
Noch immer gibt es Gold zu finden in dieser Gegend.
Bei einem Wettbewerb im Goldwaschen staunen unsere Kinder nicht schlecht, als tatsächlich kleine Goldflocken aus dem Sand herausgewaschen werden.
Der Goldrausch in Wedderburn begann bereits 1852. Und noch 1980 wurde hier einer der berühmtesten Goldnuggets Australiens gefunden: die Hand of Faith, ein Nugget mit mehr als 27 Kilogramm Gewicht.
Nicht jeder hatte freilich Glück im Goldsuchen. Wer damals kein Gold fand, destillierte Eukalyptusöl und verkaufte es. Bis heute ist die Gegend berühmt für ihr hochwertiges Eukalyptusöl, das für alle möglichen Anwendungsgebiete taugt: von Fleckentferner bis zum Erkältungsmittel.
Wir sind froh, dass wir einen Wagen mit Allradantrieb haben. Mit unserem 4WD erkunden wir die holprigen Tracks rund um Wedderburn. Überall entdecken wir verlassene Schächte der Goldgräber und Ruinen alter Eukalyptus-Destillerien, die von der Geschichte dieses Ortes erzählen.

Ein Tagesausflug führt uns nach Bendigo, wo auch heute noch Gold abgebaut wird. In der Central Deborah Mine fahren wir mit einem Förderkorb tief in einen Schacht ein und erleben eine faszinierende Führung durch den harten Alltag unter Tage.

Anschließend versuchen wir selbst unser Glück beim Goldwaschen – und tatsächlich finden wir ein paar winzige Goldpartikel.
Eureka!

Natürlich wollen Karen und ihr Mann Geoff uns ihre Farm zeigen. Wir springen also neben Belle, dem Hirtenhund auf die Ladefläche von Geoffs altem Ute und los geht’s. Geoff erzählt Geschichten aus seinem Leben, in einem breiten und derben australischen Slang, an den wir uns erst einmal gewöhnen müssen.

Sein Farmland ist wunderschön gelegen: sanfte Hügel, viele Bäume, kleine Creeks und weite Weiden am Fuße des Mount Korong.
Auch seine Farm ist riesig: Fast zwei Stunden lang fahren wir über sein Land.

Irgendwann zeigt er uns einen Hügel mit lichtem Eukalyptuswald, der ihm gehört. Dort befindet sich ein Goldfeld. Immer wieder dringen Glücksritter illegal auf sein Land ein, um mit Metalldetektoren und Hacken nach Gold zu graben.
Noch während Geoff uns davon erzählt, passiert es: Der Wagen stoppt abrupt und kippt plötzlich zur Seite. Ein Hinterrad hängt in der Luft.
Wir sind mit in einen illegal gegrabenen Schacht geraten und stecken geblieben.
Mit einem beherzten Sprung retten wir uns von der Ladefläche. Zum Glück ist Karen erreichbar. Sie kommt mit dem Traktor und zieht uns mit einer schweren Kette wieder heraus.

Nach diesem Erlebnis fangen wir erst einmal ein paar Flusskrebse aus dem Teich hinter dem Haus.
Später fährt Geoff mit Irene und Sebastian noch einmal hinaus auf die Weiden. Er hat seine Flinte dabei und möchte ein paar Kängurus schießen.
Es zeigen sich aber nur drei große Exemplare ziemlich weit entfernt – zu weit für einen sicheren Schuss. Die Tiere haben Glück.
Stattdessen fahren wir weiter über die Felder in einen spektakulären Sonnenuntergang.


Mit Geoff gibt es immer etwas zu erleben.
Er ist Präsident des Wedderburn Golf Club, und am Sonntag steht Platzpflege auf dem Programm. Der Platz ist aufgrund der Trockenheit nur im Winter bespielbar. Die Saison beginnt zu Ostern, und bis dahin muss der 18-Loch-Platz vorbereitet werden.
Unsere Aufgabe ist es, die Greens zu säubern. Die Greens sind allerdings nicht grün – sie bestehen aus dunklem Sand, der mit einer von Geoffs Kumpel konstruierten bizarren Maschine gesiebt wird.
Australien ist eben anders.
Während unserer Tage auf der Farm kommen die Scherer zum Crutching. Dabei werden die Hinterteile der Schafe geschoren, damit das Lammen leichter fällt und sich keine Fliegen dort einnisten. Karen und Geoff besitzen mehr als 1.400 Schafe, zumeist Merinos. Es liegt also ein ordentliches Stück Arbeit vor uns.
Früh am Morgen fahren Geoff, Maximilian und Sebastian zum Shearing Shed, den Karen und Geoff selbst gebaut haben. Bevor die Scherer kommen, wollen wir noch die Lämmer kastrieren.

Für uns, die wir noch nie mit Schafen gearbeitet haben, ist das zunächst ungewohnt. Wir müssen die Lämmer, die etwas 6 Monate alt sind, zusammentreiben, fangen, auf den Rücken legen und dann mit einem sehr engen Ring versehen. Harte Arbeit, denn mit ihren 6 Monaten sind die Lämmer bereits ziemlich stark und wiegen bereits über 30 kg.

Als die Scherer kommen, beginnt die Arbeit im Akkord: Wir treiben die Herden nacheinander über eine Rampe in den Shearing Shed. Dabei hilft uns Belle, der treue Hirtenhund. Dann treiben wir die Schafe in die Stände hinter den Scherplätzen.

Die Scherer holen sich ein Schaf nach dem anderen, scheren es in atemberaubendem Tempo und lassen es anschließend über eine Rampe wieder hinaus auf die Weide.
Wir stinken, sind von oben bis unten dreckig und voller Staub, aber diese Arbeit macht Spaß! Am Ende des Tages, treiben wir die Herden wieder auf ihre Felder. Der Weg, den wir mit den Schafen zurücklegen, ist mehrere Kilometer lang. Sanfte Hügel, vereinzelte Bäume, goldenes Licht.
Die Sonne steht tief, und eine gewaltige Herde Schafe durch diese schon fast toskanisch anmutende wunderschöne Landschaft in den Sonnenuntergang zu treiben, ist einer der schönsten Momente der Reise.

Es gibt immer etwas zu tun, und meistens beginnt alles mit einer abenteuerlichen Fahrt im Ute über endlose Weiden.

Ein Hammel bereitet Geoff Probleme. Er büchst immer wieder aus und ist nur schwer kontrollierbar. Geoff hat bereits mehrfach versucht, ihn einzufangen, doch allein ist es ihm nicht geglückt. Also versuchen Geoff, Maximilian und Sebastian es nun gemeinsam.
Als wir ihn auf einer weit entfernten Weide entdecken, trennen wir ihn von der Herde Mit der Hilfe von Belle, dem treuen Hirtenhund, treiben wir den Hammel in die Enge. Belle befolgt Geoffs Anweisungen präzise und konzentriert. Nach einer Weile gibt es für den gewaltigen Hammel kein Entkommen mehr. Doch was jetzt? Beherzt packt Sebastian das fast 200 kg schwere Tier am Hals, schwingt sich auf seinen Rücken und reitet auf dem Hammel, bis er erschöpft aufgibt. Wir legen ihn mit vereinten Kräften auf den Rücken, fesseln ihn und wuchten ihn zu Dritt auf den Anhänger, um ihn auf eine sichere Weide beim Shearing Shed zu bringen. Einfacher gesagt als getan. Denn auf der Weide angekommen, lösen wir die Fesseln und der Hammel büchst erneut aus, rammt Geoff mit dem Kopf in den Bauch, so dass Geoff schmerzhaft auf dem Rücken landet. Ein cleveres Tier.
Als wir den Hammel mit einiger Mühe endlich auf die Weide getrieben haben, steht der Entschluss: Geoff wird das Tier, das ständig Ärger macht, wohl verkaufen.

Nur schwer können wir uns von diesem Leben als Schaffarmer lösen. Karen und Geoff haben zwar zwei Söhne, aber keiner von ihnen möchte die Farm übernehmen. Als wir uns verabschieden, sagen wir - vielleicht sogar ein bisschen ernst gemeint - die beiden sollen sich bei uns melden, wenn sie die Farm einmal verkaufen wollen...